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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPortrÀts
Der Anwalt der Familie, Hans Haider, hatte bereits am 21. MĂ€rz das
âergebeneErsuchenâandenStaatssekretĂ€r fĂŒrPropagandaDr.Kajetan
MĂŒhlmann gerichtet, dieser möge der Firma Manz, wiewohl âdie Ge-
stattungderBezeichung âarischesGeschĂ€ftâ kaumzulĂ€ssig seinâwerde,
die âVerwendung von Flaggen mit dem Hoheitsabzeichenâ gestatten
und die âEinsetzung einer kommissarischen Verwaltungâ verhindern, da
dieFamiliebereit sei, âjedenotwendigeĂnderung imGesellschaftsver-
hĂ€ltnisse bereits in der nĂ€chsten Zeit eintreten zu lassenâ.208 Im April
1938 erhielten auch Emmy und Helene ihren Anteil und wurden aus
demHandelsregistergelöscht.GesellschafterwarennundieâvonRo-
bertSteineuphemistisch âhalbarischâgenanntenâGeschwisterRobert,
Walter, LotteundEdithStein.
DieseKonstruktionhielt eingutes Jahr;dannmusstenauchdievier
Geschwister ihreGesellschaftsanteile abgeben.AlleinigeGesellschafter
desVerlagswarenvondiesemZeitpunktbis zumEndedesKriegs (bzw.
in Falle Frieda Steins bis zu ihrem Tod) Frieda Stein, die Prokuristin
Bertha Pohl (1893â1966) und der BuchhĂ€ndler Anton Bernhard (1861â
1945).209
Am1. Juli 1945schlieĂlichwarendankderTreueundLoyalitĂ€tder
Mitarbeiter Pohl, Bernhard210 und GieĂauf die ursprĂŒnglichen Besitz-
208 HansHaider:Brief anKajetanMĂŒhlmann(SteinFA).Wien.21.MĂ€rz1938.
209 Esexistierteinâzwarnichtbeglaubigter,abervonallenbeteiligtenPersonenunterschrie-
benerâGesellschaftsvertragderManzâschenVerlagsbuchhandlung(JuliusKlinkhardt
& Co) vom 14. Januar 1944, dessen Absatz 1 lautet: âDie Gesellschafter der obigen
Firma Àndern den am 16. August 1939 geschlossenen Gesellschaftsvertrag nunmehr
in der nachstehenden Weise ab, wobei gleichzeitig von den beiden bisherigen Ge-
sellschaftern Frau Frieda Stein geb. Klinkhardt und Herrn Anton Bernhard FrÀulein
BerthaPohlalsneueFirmengesellschafterinaufgenommenwird.Frl.BerthaPohlhat
ausdem90%-igenFirmenanteil derFrauFriedaSteingeb.Klinkhardt1/9=10%des
Firmenvermögens zum Buchwert von RM 1.333,33 erworbenâ (Besitz Barbara Netscher,
Ronneburg). Die Druckerei wurde von Ernst GieĂauf geleitet, der zu diesem Zweck
in Absprache mit seinem Chef Walter Stein eigens eine NSDAP-Mitgliedschaft ange-
nommen hatte (vgl. Mumelter: Die Geschichte des Verlagshauses Manz, S.189f.). Im
Dezember1940hattederVerlagumAufnahmevonFriedaSteinundAntonBernhard in
die Reichsschrifttumskammer angesucht. Bereits am 16. Juli 1938 war Robert Stein von
der Reichsschrifttumskammer aufgefordert worden, seine âbuchhĂ€ndlerische TĂ€tigkeitâ
bis zum30.September1938niederzulegen(PrÀsidentderReichsschrifttumskammer
[Hanns Johst]:Brief anDr.RobertStein [SteinFA].Berlin. 16. Juli 1938).
210 âDie SelbstverstĂ€ndlichkeit, mit der er in der schwierigen Situation jener Tage in die
Breschesprang,wirdmir stetsunvergesslich seinâ, schreibtRobertSteinam22.Oktober
1945 anlĂ€sslich von Bernhards Tod und schlug fĂŒr die Parte u.a. folgenden Satz vor:
âEr war wohl ein ganz seltener Mensch und verdient gewiss einen Ehrenplatz in der
GeschichtedesösterreichischenBuchhandelsâ (RobertStein:Brief anHeinrichWeiss-
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik