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6 MariaCharlotteSweceny:VersucheinesPorträts
Das Porträt Richard Steins225 gilt seit dem Zweiten Weltkrieg als
verschollen, das vermutlich kurz danach entstandene226 Doppelbild-
nis seiner Kinder mit dem Titel Spielende Kinder befindet sich heute
im Wilhelm-Lehmbruck-Museum der Stadt Duisburg (Abb. 6).227 Die
UmständeseinerRezeption sicherndemBildeinenPlatz inderKunst-
geschichte:DasPublikumreagiertebeider erstenAusstellung1911 im
Wiener „Hagenbund“ verstört. Die verbalen Reaktionen reichten von
„Menschenkarikaturen“bishinzu „wüsterErotik“.228
Außer diesen – selbst für eine privilegierte Kindheit aufsehenerre-
genden – Umständen ist über die Kinder- und Jugendjahre Lotte Steins
kaumetwasbekannt.Auchüber ihreAusbildungkönnennurMutmaßun-
genangestelltwerden. In ihrerKorrespondenzalsErwachsene schrieb
sieflĂĽssig,wennauchnicht fehlerlos, aufEnglisch; sieempfingBriefe
auf Französisch und Italienisch, was darauf schließen lässt, dass sie
diesebeidenSprachenzumindest lesenkonnte; siebeherrschtedieGa-
belsberger Kurzschrift. Als Tochter stand sie – gemäß der damaligen
AuffassungvonKindererziehung–wohlmehrunterdemEinfluss ihrer
Mutter Frieda, zu der sie, nach Briefen im Familienarchiv zu urteilen,
zumindest alsErwachseneeinnahesVerhältnispflegte.Spätestens seit
1918 dĂĽrfte der Vater aufgrund seiner neuen Beziehung zu Maria Luise
von Newlinsky noch weniger in Erscheinung getreten sein. Nach der
ScheidungvonFrieda1921zogRichardSteinausderFamilienwohnung
in der Pfarrhofgasse aus und wohnte zuerst in V., Gartengasse 22, dann,
seit 1924, imFirmensitz amKohlmarkt20(heute16).229
Kokoschkas Doppelbildnis der Kinder Walter und Lotte aus 1909 zeigt
ein neugierig den Betrachter fixierendes Mädchen; der Bruder hingegen
blickt mit niedergeschlagenen Augen zu Boden (vgl. Abb. 6).230 Auch
225 Ă–laufLeinwand,MaĂźeunbekannt (ca.91x71cm).
226 Vgl.Winkler/Erling: OskarKokoschka, S.12.
227 Ă–laufLeinwand,72x108cm, Inv.Nr.WLM573/655.
228 DieseundandereStimmenversammeltW. J. Schweiger:Der jungeKokoschka, S.165ff.
1924 schlieĂźlich wurde das Bild in einer Ausstellung von einem Besucher mit einem
Messer zerstochen und angeblich mit Exkrementen beschmiert (vgl. Natter [Hrsg.]:
OskarKokoschka.DasmoderneBildnis1909bis1914, S.108).
229 Lehmann’sAllgemeinerWohnungs-Anzeiger.
230 „DerMaler verzichtete inderDarstellungderbeidenKinderaufPosenheilerKindheit.
Lotte, eigentlich Maria Charlotte [...] liegt vorne, der ältere Bruder Walter [...]
hinter ihr. Ähnlich wie im Bildnis des Ehepaares Tietze [...] ist der Junge im Profil,
das weibliche Modell aber en face wiedergegeben. Hier wie dort schaffen die Arme
der Dargestellten einen kommunikativen BrĂĽckenschlag. Doch er ist nicht frei von
Spannungen: Die linke Hand des Jungen trifft auf die geballte Faust des Mädchens“
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik