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6.6 MariaCharlotteStein (verh.Sweceny)
Ichpersönlicherwarteauch inderZukunft keineSchwierigkeiten
indieserRichtung,wenigstensnichtmehrals fürmeineFreunde
rein arischer Abstammung auch entstehen können. [...] Es gibt
Gott sei Dank immer u. überall Überdurchschnittsmenschen, die
wie schonderNamesagtausderMasseherausfallen. Ichbinalso
deswegen, weil ich etwas gescheiter bin als Frauen im Allgemeinen
darumnicht jüdischerwiedieanderenwieDuesmanchmalglaubst.
Und Du bist nicht arischer weil Deine Begabungen einseitiger sind,
weil Du weniger Interesse für prinzipielle Zusammenhänge hast be-
gründet wahrscheinlich in Deinem geringen Einfühlungsvermögen.
Nein seideshalbnichtgekränktweilDukeinenErfolghast, daDu
Dich in dieser Richtung ja nie bemüht hast. Leider. [...] Wir gehen
doch als Freunde auseinander. Übrigens noch. Glaub nicht daß Du
inmireinewildeFeindindespol[itischen].Umschwunges siehst,
dessenAnzeichenwirebenspüren. Ichwar immerhauptsächlich
auf mein Privatleben konzentriert und hoffe, daß mir das auch
weiterhinvonaußennicht zu sehrbeeinflußtwird.Sonstwill ich
über jeden Menschen der jetzt glücklicher ist, mich freuen. Wärest
Du nichtglücklicher wennDu Dich nuneinseitig der andernSeite
verschriebest.253
Hier spricht jemand, der sich seines intellektuellen Wertes und seiner
gesellschaftlichen Position sicher ist; aber auch jemand, der seinen
Wirkungskreis im Privaten verortet. Dieses Privatleben spielte sich – auf
für damals durchaus typische Art und Weise – vor allem auch auf Reisen
und Kuren ab: Man verbrachte die Sommerwochen im Salzkammergut,
etwa am Attersee, kurte im Winter in Bad Gastein und im Frühjahr in
Franzensbad.254 O.C.Sweceny,deralsFabriksdirektor starkbeansprucht
war, leistete seiner Frau oft nur tageweise oder gar nicht Gesellschaft.
Nicht selten reiste Lotte Sweceny in Begleitung von Familienmitgliedern
undFreunden, immerwiederwar sieauchalleineunterwegs.
Die Freiheit, die sie in finanzieller, intellektueller und auch erotischer
Hinsichtgenoss, brachte ihrmitunterdie „Verachtungdes sogenannten
Arbeitendengegen jemandendernicht imBürositzt“255 ein.Gleichwohl
253 Maria Charlotte Sweceny: Briefkonzept an unbekannt (SteinFA). o.O. [Wien]. o.D.
[Ende1930er-Jahre] (ErgänzungenC.D).
254 An diesen Orten hielt sich Lotte Sweceny während des Briefwechsels mit Alexander
Lernet-Holenia auf; außerdem in Bulgarien sowie (mit ihm) in der Karibik und in
Nordamerika.
255 Lotte Sweceny: Undatiertes Briefkonzept an Alexander Lernet-Holenia (SteinFA). In
einemanderenundatiertenKonzeptanLernetheißt es: „Es ist jakeinZufall, daß ich
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Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
Briefe 1938-1945
- Title
- Alexander Lernet-Holenia und Maria Charlotte Sweceny
- Subtitle
- Briefe 1938-1945
- Author
- Christopher Dietz
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2013
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-205-78887-4
- Size
- 15.5 x 23.5 cm
- Pages
- 468
- Categories
- Weiteres Belletristik