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Anton Kuh - Biographie
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128 tung auf die Schaufel: »In den Spuren Nietzsches wandelnd inthronisiert [Kuh] statt der ›blonden‹  – die ›schwarzhaarige Bestie‹. ›Der Börsejud als Übermensch‹  – so hätte Kuh seine eigene Ideologie persifliert, wenn nicht er, sondern ein anderer den Vortrag gehalten hätte.«39 Und während der Rezensent des »Sozialdemokrat« mäkelt, daß es Kuh wieder einmal nur um eines zu tun gewesen sei: nämlich »das Bürgertum zu kompromittieren«,40 attestiert Felix Weltsch den Dar- legungen des Vortragenden in der »Selbstwehr«, daß sie mehr sind »als geistreiches Spiel; sie sind wahrhaft psychologische Entdeckungen«, ja, ihnen komme »eine geradezu historische Bedeutung« zu. »Über- raschende Durchblicke und verblüffende Entschleierungen« verdanke das Prager jüdische Publikum  – das assimilierte Prager jüdische Publi- kum  – dem »bösartigen Entdeckerauge Kuhs«; ein Publikum, dem es inzwischen eine »liebe Gewohnheit« geworden sei, »daß Kuh einige- male im Jahre den Prager Juden einige Wahrheiten* sagt, die jeder auf den anderen bezieht«. Einwände im einzelnen wischt Weltsch vom Tisch, denn »[d]er unmittelbare Eindruck ist: ein intellektueller Genuß von seltener Intensität. Ich kann mir kaum eine unterhaltendere Stunde vor- stellen als einen Vortrag Anton Kuhs«41. Der Rezensent des »Prager Tagblatts« äußert leise Zweifel an der sozialphilosophisch-diagnosti- schen Kompetenz Anton Kuhs, hält aber resümierend fest: »Der Saal war voll und es spendeten dem Sprecher auch jene Reichen Beifall, die Anton Kuh eine Stunde lang virtuos pathologisch anatomisiert hat«.42 Lange Gesichter hingegen bei seinem Anhang in Wien: Anton Kuh ist als Mitwirkender bei der am 21. Oktober 1922 im Großen Konzert- haussaal stattfindenden Veranstaltung »Blatt im Frack (Die gesprochene Zeitung)« angekündigt, die unter lautstarken Protesten des enttäusch- * Kuh wirft den Prager Deutschen vor, daß sie die deutschliberale Tradition zur Vereinsmeierei hätten verkommen lassen: »So war Deutsch-Prag, geistig immer um ein Inselalmanach-Jahr voraus, politisch um 30 Jahre zurück. Und so wurde jene Politik, zeitfremd und ausgedorrt wie sie war, am Ende bloß zum Tummelplatz für Eitelkeit, Strebertum, Couleurbrüderei. Wo früher Männer stritten, Geister sich erhitzten, nickten jetzt bärtige Pagoden- köpfe zum Worte ›nationales Bollwerk‹. Theater, Presse, Bildung  – alles sank zur Vereinssache, zum Gesellschaftsspiel einer gesinnungs- und über- zeugungsverkleideten Honorigkeit.« Und er zeiht sie der Naivität: Statt sich mit den Tschechen zu verständigen, hätten sie die Sache der Deutsch- böhmen zu der ihren gemacht  – um sich von ebendiesen teutonisierenden Sudetendeutschen dann mit »Pfui, Jud!« anpöbeln zu lassen (Anton Kuh: Das Ideal aus der Großväterzeit. In: Neues Wiener Journal, Jg. 30, Nr. 10.420, 19. 11.1922, S. 5 [Nr. 501]).
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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