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Anton Kuh - Biographie
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157 den Kleidern herumging und dabei etwas Klavier und fremde Sprachen lernte  – das schnürte ihr das Herz ab! Wäre ihm von Vater-, Mutter- oder Erzieherhand ohne solche Entlohnung und Pflege das Gesäß windelweich verdroschen worden  – aber statt namens ›perverser‹ Triebe im Namen der deutschen Rechtschreibung oder der Arithmetik oder des Bravseins  –, kein Justizherz hätte sich empört. […] Aber ›Perversität‹, das ist das rote Stammtischtuch von Amstetten, Klagenfurt, Linz, Ga- blonz und Hinterkikeritzstätten  – das heißt: des Heimats- und Zustän- digkeitsortes unserer Bureaukratie. / […] Hat die Polizei seinerzeit nicht selbst voreilig zugegeben, das Verwunderliche sei, daß die Kleinen von dem mit ihnen getriebenen Mißbrauch keine Ahnung hätten und mit merkwürdiger Treue an ihrer Mißhandlerin hängen? Daß sie also –  abzüglich: Schokolade, Zuckerln und Gugelhupf  – nichts anderes bei ihrer Züchtigung empfanden als jedes geprügelte Kind? Von nun an wissen auch sie es. Nach zweimonatiger Herumgeschleiftheit durch Kreuzverhöre haben sie den entscheidenden Knacks. Jetzt erst juckt der Popo ›pathologisch‹. Jetzt erst hat ihre Seele den Faustschlag. / Also bitte lieber keine Lüge, meine Herren, die ihr mit so demokratischer Gebärde den Prinzen Schwarzenberg habt laufen lassen, um euch an dem jüdischen Teppichhändler schadlos zu halten! […] Die Köpfe der Bureaukratie sind abgehauen  – der korpsbrüderliche, malkontente Schapsel-Schweif lebt fort. Und tyrannisiert den Staat mit dem ganzen Haß der Subalternität.«44 Starker Tobak!  – Den Anton Kuh immer wieder auch als Theater- kritiker liefert. Seine naßforsche Manier goutiert nicht jeder. Am Sams- tag, dem 15. März 1924, fällt der große Mime Eugen Klöpfer aus der Rolle, um von der Bühne des Raimund-Theaters herab seinen Unwillen darüber kundzutun, daß Kuh tags davor sich erfrecht hatte, »ein Kunst- werk von einem Dichter wie Hauptmann [zu] bewitzeln«45. Klöpfer setzt in der Rolle des Michael Kramer im zweiten Akt seinem flammenden Plädoyer für ein weltabgewandtes, heiligmäßiges Künstlertum, das im Satz »Kunst ist Religion« gipfelt, schreiend ein »Ja, ja, Herr Kuh!« hinzu. Den Darstellern auf der Bühne verschlägt die erregte Improvisation den Atem. Das Publikum nimmt den temperamentvollen Ausritt zwiespäl- tig auf. Klöpfer tritt an die Rampe und entschuldigt sich; er habe nicht anders gekonnt.46 Kuh hatte Gerhart Hauptmanns Künstlerdrama »Michael Kramer« als »dumpf orgelnde Trivialität; Nebeneinander von Problematik und Gugelhupf«, als »Mischmasch aus Wahrheit und Plattheit« beschrieben und die Zeichnung der Künstlerfigur schlicht als frühnaturalistischen »Schmarrn«.47 Viel eher als ein Künstler sei Michael Kramer  – den
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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