Web-Books
in the Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Biographien
Anton Kuh - Biographie
Page - 167 -
  • User
  • Version
    • full version
    • text only version
  • Language
    • Deutsch - German
    • English

Page - 167 - in Anton Kuh - Biographie

Image of the Page - 167 -

Image of the Page - 167 - in Anton Kuh - Biographie

Text of the Page - 167 -

167 Zerrbild des Ungemeinen«. Auch wenn er zugesteht, daß die Figuren von Molnárs Komödie »Gardeoffizier« »nicht vom feinsten Esprit duften«  – dafür haben sie Geist. »Ja, Geist, mag man zehnmal konsta- tieren, daß er auf magyarisch jüdelt  – erotischen Geist.«41 Molnár glaubt er sogar gegen dessen Wiener Kritiker verteidigen zu müssen, die »Riviera« als gekünstelt, paradox, unwahr empfunden haben. Ihm hin- gegen ist Molnárs Stück, »Psychologie und Kenntnis der Leiden vor- aussetzend, die sich aus langjährigem erotischem Lebenswandel ergeben, und trotz allem Molnárschen Kandiszucker-Belag dort, wo es um so- ziale, volkstümlich-schlichte Dinge zu gehen scheint, doch wahr bis in den leisesten Seufzer«. Und er dreht den Spieß der Wiener Kritik um, zu deren Schablonen zählt, »den Ungar Molnár  – und einige ihm Art- verwandte  – damit zu kitzeln, daß Pest nicht Paris und eine Gulasch- suppe keine Fasanpastete ist«: Diese Art »Pest« sei »fast schon parise- rischer als Paris«. Findet es im übrigen ohnehin traurig, daß es offenbar notwendig ist, darauf hinzuweisen. Aber: »Das heutige Geschlecht scheint nur noch auf Bronnen, Brecht und Brust geeicht. Weil wir ge- rade von denen reden: Wenn heute zehn ihrer Art, jeder einzeln blond und jung und aus der Tiefe seiner Erlebnislosigkeit mit Blutschande- und Lustmordaffekten protzend, um die Gunst einer unerreichbaren Dame buhlen, und unter ihnen befände sich der weißlockige, skepti- sche Molnár: wer trüge, denkt ihr, die Palme davon? Ich bilde mir ein, daß noch der letzte noch so süß überzuckerte Dialogsatz des ›gerissenen Routiniers‹ mehr Welt enthält als alles Vatermordgestöhn jener Dichter. Das entscheidet die Frage!«42 Woher das Mißverhältnis, daß man diesen Produkten der leichten Muse aus der Feder der »von [Frigyes] Karinthy und Ernő Szép prä- sidierten Talent-Ungarn« nicht mit der gleichen Achtung wie Beliebt- heit begegnet? »Man klatscht, kauft, genießt  – und sagt doch: ›Buda- pest!‹« »Es kommt von jener säuerlich-strengen Niveaukontrolle, die das mittel europäische Untalent seit Kants Zeiten über die Talentierten eingesetzt hat; von jenen Gewissenshütern, die in der Politik nicht weniger als in der Literatur ihre Lebensangst in Chaosangst umlügen. Und ist darum auch dort im Unrecht, wo es im Recht ist. (Molnár- Verachtung heißt nämlich Wildgans-Schutz.)« Kuh hat etwas übrig für diese »in solchem Grad möglicherweise nur an der Schwelle des Ostens und Westens aufzufindende Freude an der Realität, eine unvergallte, sich ins Nächste und Täglichste stürzende Wirklichkeitsliebe. […] Wo es um die Freude am Wirklichen geht, dort geht es um mehr als um Kunst. Nämlich um die Menschen.« »Seit Molnár im ›Liliom‹ ent- deckte, daß Knoblauch und Schokolade (entsprechend: Milieu und
back to the  book Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
Web-Books
Library
Privacy
Imprint
Austria-Forum
Austria-Forum
Web-Books
Anton Kuh