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»An seinen FrĂĽchteln sollt ihr ihn erkennen«Â
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»Der Affe Zarathustras«
Mit der Auseinandersetzung Kraus – Békessy resp. Kraus – »Die
Stunde« ist die Kontroverse Kuh – Kraus verquickt. Den Vortrag »Der
Affe Zarathustras« als Teil der »Stunde«-Kampagne zu sehen liegt des-
wegen zwar nahe, entspricht aber nicht den Gegebenheiten. Kuh tritt
in dieser Sache nicht als Handlanger Békessys auf, er geht in dem zwei-
einhalbstündigen Vortrag ein einziges Mal – und auch das nur am
Rande – auf die Affäre Kraus – Békessy ein, eben um den Vorwurf zu
entkräften, er sei ein Abgesandter Békessys.
Anton Kuh betreibt den »Unterhaltungssport« der »Frotzelung des
Kraus«1 lang vorher und lang nachher, nachweislich seit den späten
1910er Jahren. Karl Tschuppik, damals Chefredakteur des »Prager Tag-
blatts«, bedauert in einem nicht datierten Brief an seinen Protegé, dessen
»Kraus-Feuilleton« nicht bringen zu können, so leid es ihm um den
»klugen, schönen Artikel« tue, aber er halte sich in dieser Angelegenheit
»an das fünfte Gebot, Dinge, die [ihn] nicht direkt angehen, lieber liegen-
zulassen«. Der Artikel müsse in Wien erscheinen, und Kraus wäre wahr-
scheinlich sogar glücklich darüber, weil endlich das Schweigen – das
Totschweigen Kraus’ in der Wiener Presse – gebrochen würde.2 Im
Vorbeigehen fährt Kuh immer wieder einmal den Ellbogen aus, um
Kraus anzurempeln, bezeichnet etwa im Feber 1918 in einer Vorbespre-
chung einer Wiener Inszenierung des expressionistischen Paul-Kornfeld-
Dramas »Die Verführung« die zwischen selbstquälerischer Verzweif-
lung und euphorischer Selbstverliebtheit schwankende Befindlichkeit
der Hauptfigur als »von Erlebnistrieb und Karl-Kraus-Lektüre hoch-
gepeit schte[n] Traum der Hysterie«.3 Was Anton Kuh an Karl Kraus
sauer aufstößt und seine polemische Lust anstachelt, ist zum einen die
Pose, zum anderen die Manier. Zum einen die Selbstgerechtigkeit, mit
der einer sich selbst als oberste und einzige Instanz einsetzt, die »Welt-
gericht« hält4 und gegen deren Urteile Berufung weder zulässig noch
statthaft ist. Zum anderen die »Metaphysik des Beistrichs«,5 die virtuose
Federfuchserei, das »Ethospetetos«, das sich in einem Papier-Universum
austobt, die sprachliche Spitzfindigkeit, mit der er »immer wieder die
durch die Wirklichkeit entstandenen Löcher mit Worten verstopft«.6 Die
Auseinandersetzung Kraus’ mit der »Jungen Generation« im Sommer
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter SchĂĽbler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien