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dem Apparat hochnotpeinlichen Gesetzes-Ernstes auszustatten. / Ihre
Devise lautet eben: ›Mit Kant gegen Gott für Vaterland.‹«
1925 beginnt auch Kuhs Mitarbeit beim Münchner »Simplicissimus«,
für den er bis 1930 rund 30 Beiträge liefert, ebenso viele für die »Münch-
ner Illustrierte Presse« in den Jahren 1929 bis 1933: fast durchwegs
Leichtgewichtiges. Bagatellen, Bluetten, Petitessen zumeist auch Kuhs
Beiträge zu diversen Zeitschriften neuen Typs – wie »Das Magazin«,
»Revue des Monats«, »Das Leben« oder »Scherl’s Magazin« –, die ab
der Mitte der 1920er Jahre, nach US-amerikanischem Muster gestrickt,
auch auf dem deutschsprachigen Markt ins Kraut schießen: den Magazi-
nen: groß- und meistenteils freizügig illustrierten Heften, deren Bunt-
heit und Themenvielfalt der geradezu panisch gefolgten Maxime »Nur
nicht langweilen!« geschuldet zu sein scheinen und das zeitgenössische
Unterhaltungs- und Zerstreuungsbedürfnis bedienen.
Daneben aber immer auch hellwache Beobachtungen des »Kultur-
chronisten«20, der etwa 1929 den Dauertänzer als Symptom trostlosen
Amüsierzwangs diagnostiziert21 oder eine US-Filmschmonzette22 ideo-
logiekritisch zerlegt; der 1931 die »Jugend-vor!«-Manie nüchtern als
ökonomisches Kalkül entlarvt23 oder das Klischee vom »süßen Wiener
Mädel« sozialhistorisch destruiert, um nicht zu sagen: dekonstruiert.24
Keine gravitätischen Abhandlungen allesamt, die mit dem Bauchauf-
schwung der »Stellungnahme« daherkommen – und doch alles andere
als leichtgewichtig.
Ganz auf der Linie der Berliner »Zeitschrift der aktuellen Ewigkeits-
werte«25, der als snobistisch verschrienen Ideenbörse für den geistes-
gegenwärtigen Zeitgenossen, wie sie deren Herausgeber, Hermann von
Wedderkop, so schlicht und bescheiden wie ambitioniert zu Beginn des
vierten Jahrgangs, 1924, formuliert: Programmatisch »untendenziös«,
habe der »Querschnitt« nur »eine Tendenz, die der Lebendigkeit«.
Wedderkop verbittet sich »säuerlichen Intellektualismus«, will »statt
Ansichten Wissen und Tatsachen«, will der Zeit den Puls fühlen, das
Gesicht der Zeit aus unmittelbarer Anschauung zeichnen, ein Magazin
europäischen Formats, das seine Leser über Kunst, Leben, Wissen-
schaft, Musik auf dem laufenden hält, »ohne [sie] anzustrengen oder zu
ermüden«.26
Neben physiognomischen Typologien wie »Der Backfisch«, »Das
k. k. Ballettmädel« oder »Jockeis«27 und Porträts einzelner Schauspieler
steuert Kuh ganze Porträtserien mitten aus dem Berliner Theaterbetrieb
bei sowie Feuilletons über Alt- und Neuwiener Quisquilien und Befind-
lichkeiten sowie ab 1929 Dutzende Besprechungen zum »Bücher-Quer-
schnitt« in der Bandbreite »Propyläen-Weltgeschichte«28 bis »Herrn
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien