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Anton Kuh - Biographie
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238 Sprache eben die moralischen Defekte des Sprechers oder Schreibers widerspiegle. Oder: für Kraus’ These, daß »die Sprache den Gedanken nicht bekleidet, sondern der Gedanke in die Sprache hineinwächst«5. Mit seiner gehässigen Replik im »Wiener Montags-Journal«6 leistete Harden sich wieder eine jener »Geschmacklosigkeiten«, deretwegen Kraus mit dem einflußreichsten Publizisten des wilhelminischen Deutschland gebrochen hatte: Harden hatte 1908 in einer Polemik gegen Kraus auf dessen Liebesbeziehung zur jungen Schauspielerin Annie Kalmar als einen »grotesken Roman« angespielt. Entrüstet über die Indiskretion, hatte Kraus geantwortet: »Mein grotesker Roman lag Herrn Harden nicht als Rezensionsexemplar vor« und verbat sich  – unter Androhung von zwei Ohrfeigen  – die Besprechung seines »gro- tesken Romans« durch den unberufenen Rezensenten.7 Vom verehrten Vorbild wurde Harden zum  – über Jahre hinweg  – erbittert Befehdeten. Die tabellarischen »Übersetzungen aus Harden«, in denen Kraus in einer linken Spalte Hardensches »Desperanto«8 ab- druckte und in einer rechten, was es in einfachen, schlichten, nüchternen Worten bedeuten sollte, wurden zu einer ständigen »Fackel«-Rubrik.9 Hardens gewundene, gestelzte, grotesk verschnörkelte Sprache, der manierierte Schwulst und pathostriefende Bombast  – »jener […] über- pfropfte Stil, von dem ein Boshafter einmal gesagt hat, er sei eine Land- schaft, durch die Mayonnaise fließe«10  – reizten geradezu zur Persiflage. Kuh indessen verteidigte Harden gegen diese »nachschwätzende Iro- nie […], die seinen Fehlern und Schwächen nicht das Wasser reichte und sich mit Witzblattästhetik über seine freistehende Person hinweg- setzte«,11 wenngleich er zugestand, daß »Hardens Deutsch ein Hecken- zaun für unbefangene Leser ist, sein Stil eine apokalyptische Grotten- bahn«. Allerdings gab er zu bedenken, »ob es gerecht ist, das Maß der Schönschreiberei an einen Mann zu legen, der die Lektürespesen durch den Inhalt vergilt und sich in der politischen Haltung so vereinsamt hat wie in der Sprache; weiter: ob man das Recht hat, geschmäcklerisch auf die Mitteilung zu reagieren, daß einem demnächst der Kopf abgeschlagen wird. Hardens Aufsätze seit 1918  – eigentlich 1917  – waren eine einzige Mitteilung dieses Inhalts an das deutsche Volk.«12 Die Hauptsache aber sei: »diese Sprache buckelte sich vor Gehirn und Erkenntnis; sie hatte um soviel Fleisch zu viel, als das Betrachtungsobjekt  – Deutschland  – zu wenig hatte. Ihre Front war […] im Wesen immer die gleiche: der üble Nationaltypus. Vor dem Krieg und während der ersten Kriegszeit, also zur Zeit der europäischen Kraftkonkurrenzen, die den Abgrund ver- deckten, sah ihn Harden als Undiplomaten, Unpolitiker, Uneuropäer; damals wollte er ihn wecken: Sei ein Engländer!  – Sei ein Franzose!
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter SchĂĽbler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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Anton Kuh