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tionsleiters der Tauber-Tonfilm-Gesellschaft in den Ateliers von Geisel-
gasteig, um ihm einen Vorschuß auf ein Drehbuchhonorar abzuringen.
So lange, bis es diesem zu dumm wurde und er Max Reichmann, der
gerade den Spoliansky-Film abdrehte, anrief, um den lästigen Belagerer
wegzubekommen: »›Sind alle Rollen besetzt, Max? … Was? … Den
Schneidergehilfen? … haben wir! … Ich schicke ihn sofort hinüber.‹
Öffnete nach dieser Unterhaltung die Türe und sagte zu mir: ›Gehn Sie
rasch ins Atelier und lassen Sie sich schminken
– Sie spielen mit.‹ Zwei
Kilometer im Umkreis des Film-Ateliers gibt es nur Diktate, nicht
Wünsche. Das Ziel war also erreicht, ich begab mich hinüber und der
Produktionsleiter konnte, nachdem ich einer anderen Abteilung des
Betriebs überwiesen war, wieder friedlich durch Tür und Fenster hinaus-
sehen.« Kuhs schauspielerische Mitwirkung an einem Tonfilm ent-
puppte sich sonach »als Zwischenspiel eines anderen Werkes: des noch
nicht gedrehten selbstbiographischen Tonfilmdramas ›A conto‹«.21
Schon der Drehbuchschreiber sei eine Fehlbesetzung gewesen, unkt
Willy Haas in seiner Premierenbesprechung: Ausgerechnet Anton Kuh,
»einem der giftigsten und manchmal auch witzigsten Pamphletisten
unserer Publizistik«, die Bearbeitung der »Maria Stuart« anzuvertrauen
sei zweifellos eine »Kateridee« gewesen. Immerhin habe er sich, des
klassischen Sujets eingedenk, mannhaft zurückgehalten. Haas hatte
erwartet, »daß Marschall Bothwell bei passender Gelegenheit ein paar
saftige jüdische Witze erzählen werde«.22
Ob es Leopold Jessners Sordine zu verdanken ist, daß diese Erwar-
tung enttäuscht wurde? Der Intendant der Berliner Staatstheater wird
mal als Drehbuch-Coautor, mal (auf dem Filmplakat) als »Künstleri-
scher Leiter«, mal als Coregisseur genannt: In welchem Ausmaß er tat-
sächlich am Drehbuch mitgearbeitet, was an Regie und Bildgestaltung,
was an der malerischen Atmosphäre, an starken Effekten während der
Dreharbeiten, die Ende August 1927 in den Filmateliers in Staaken
begannen, auf das Konto des großen Theater-Regisseurs geht, was auf
jenes des gewiegten Film-Routiniers Friedrich Fehér, der unter »Regie«
firmiert, und was auf jenes der Kameraführung Leopold Kutzlebs, ist
schwer zu sagen. Während manche Rezensenten Jessners Handschrift in
der »großen theatralischen Geste, die bei der Szenenführung unverkenn-
bar ist«, im »vielfach bildmäßig gut gesehenen Theater«, den »sehr mar-
kanten Bildeinstellungen, durch die einzelne Bildausschnitte bisweilen
unerhört wirksam unterstrichen werden«,23 klar erkennen wollen, kön-
nen andere typisch Jessnersches Gepräge nirgends bemerken24 und
wundern wieder andere sich, warum er seinen guten Namen mit einem
derart anspruchslosen Film aufs Spiel setze.25 Ob die National-Film
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien