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Den Drehbuchschreibern war es sichtlich darum gegangen, um die
Arien Taubers herum eine Handlung zu bauen, und sie hatten stereotyp
alle hundert Meter Film aus irgendwelchen unbegründeten An lässen
heraus den Sänger zum Gesang aufzufordern und damit die mit dem
Tonfilm geborene Mode, um einen Sänger herum eine Geschichte zu
erfinden, damit dieser seine Chansons über die Leinwand schmettern
könne, kopiert, und zwar »schlecht und geschmacklos, dumm und geist-
los«, wie der Rezensent der »Vossischen Zeitung« findet. Der sich daran
stößt, daß man Taubers »beim Singen weitaufgerissenen Mund in zwan-
zigfacher Vergrößerung eine Viertelstunde betrachten mußte«, und dem
Kammersänger rät: »Er möge ruhig wieder an die Frauen glauben, dem
Tonfilm aber (der so unerbittlich fotografiert!) künftig mißtrauen.«54
Tontechnisch mag »Ich glaub’ nie mehr an eine Frau« ein Schritt nach
vorn gewesen sein, filmisch bedeutete er zwei Schritte zurück. Dieser
Emelka-Tobis-Film unter der Regie von Max Reichmann zeugt von
einer geradezu trostlosen Verständnislosigkeit für die Möglichkeiten und
Forderungen des Tonfilms, findet der Rezensent der Fachzeitschrift
»Film«, der entsetzt ist über die erschütternde Naivität der »abgedro-
schensten, geist- und witzlosesten und nichtssagenden Dialoge«, über
die fehlende Einsicht des Regisseurs, »daß im Tonfilm ein Matrosenchor
nicht den Anschein und das Benehmen einer zum Abend singenden
Betschwesternvereinigung haben dürfe, daß alte und schmerzbeladene
Mütterlein unmöglich auf Flügeln des Gesanges zu ihrer noch scham-
loseren Verlogenheit der Gefühle kommen könnten.«55
Daß der Film unter der musikalischen Leitung von Paul Dessau das
Prädikat »Künstlerisch« verliehen bekam und das, mit Verlaub, »ver-
tauberte« Publikum die Vorführsäle stürmte – eine Kinokarte war im
Gegensatz zu Schallplatte und Grammophon auch für die Massen er-
schwinglich –, steht auf einem anderen Blatt.
Zur Ehrenrettung Kuhs sei gesagt, daß er einer von vieren war, die
am Drehbuch schrieben
– neben ihm noch Curt J. Braun, Walter Reisch
und Werner Scheff –, und offenbar Curt J. Braun die Federführung
hatte.
Ebenso für zwei weitere Filme der Richard-Tauber-Tonfilm-Pro-
duktion, beide unter der Regie von Max Reichmann und unter der
musikalischen Leitung von Paul Dessau: »Das Land des Lächelns« nach
der gleichnamigen Operette von Ludwig Herzer, Fritz Löhner-Beda
und Viktor Léon mit der Musik von Franz Lehár (Drehbuch gemein-
sam mit Leo Laszlo und Curt J. Braun) sowie »Die große Attraktion«
(Drehbuch gemeinsam mit Curt J. Braun und Richard Schneider-
Edenkoben).
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter Schübler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien