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Anton Kuh - Biographie
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279 rade die »österreichische Invasion«, die in Berlin bestens bezahlten Anschluß gefunden hat, als »Snob-Bediener« hin, jene kleinen Wesen mit der großen Schnauze, die geistige Terrains mit einer Unumschränktheit zu beherrschen haben, die ihrem geistigen Fundament nicht im minde- sten entspricht. Wenn Leopold Jessner mit seiner Ankündigung »Richard III. wird bei mir ohne Bart gespielt!« vermeint, eine neue Epoche inszenatorischen Genies einzuläuten, mag das noch angehen als Vermessenheit, die man belächeln kann. Zum Weinen indessen die Snob-Bediener, die aus Angst, sie könnten als vertrottelt gelten, lauthals verkünden: »Endlich weht frische Luft, der Staub fällt von den Kulissen  – Richard III. ohne Bart  … Un-er-hört!«88 »Kunst und Geist sind (nicht eben im Klassen-, wohl aber im Blut- sinne) immer aristokratisch. / Der neue Kunst- und Geisteslieferant aber, der heutigentags den Snob bedient, ist ein Plebejer. / Den Plebejer kenn- zeichnet Unsicherheit; da er weder über ein eigenes Dasein noch über ein eigenes Antlitz verfügt, so kann er sich nur im Spinnweben-System schlagfertigen und wechselseitig sich kontrollierenden Urteilens be- haupten. (Die wahren ›Leiden des jungen Werters‹!) Seine Legitimation ist der Standpunkt, nicht das Gesicht. Eine General-Ausgabestelle für ›neuen Ton‹ versorgt ihn von Jahr zu Jahr mit dem Stil, der augenblicks Überzeugtheit am glaubhaftesten macht. / Das ist jetzt in Lob und Schimpf: der Superlativismus. / Der Ausüber dieses Tons markiert Asthmakrämpfe des Übervoll-Seins; ein ›Gott helfe mir, ich kann nicht anders!  …‹ kurbelt jeden Satz an; er gestikuliert Undeutlichkeiten  – nicht wissend, daß das Merkmal wahren Geistes und wahrer Kunst die Präzision ist. […] / Alles Noble ist ehrgeizlos; es erfüllt sich durch sein Auf-der-Welt-Sein; es leistet durch sein Atmen. Je wertvoller demnach eine Kunst oder ein Künstler ist, desto mehr fehlt ihm die Ambitioniert- heit. / Der Ignoble dampft vor Ehrgeiz, vor Durst nach der Leistung. Bemühtheit vertritt bei ihm die Stelle von Imagination, Grazie, Witz, Adel, Schönheit. (Überlebte Werte!) Er ernennt die scharfe, schroff- kantige Durchsichtigkeit des Willens, der einem Nicht-Ich zur Erschei- nung helfen soll, zum ›neuen Geist‹ und begeistert sich also an der Kabarettdiseuse, durch deren viereckige, mit der Stoppuhr voraus- berechnete Gestikulation jener Auftrieb leuchtet; am Schauspieler, des- sen fettiges Ungestüm, Kopf gegen die Wand!, aus dem Wahlspruch: ›Ich setz’ mich durch!‹ deklamatorische Energien zieht; am Stückschreiber, der seinem Aug’ die kahle Vorsätzlichkeit hinbaut; am Filmengel, in dessen großäugiger Seltsamkeit, wedekindisch gesprochen, ›die großen Füße geschrieben stehen‹; am Reporter, der ›rast‹, statt exakt zu berich- Berlin, Die Komödie, 9.12.1928, 12.15 Uhr: Der Snob von Berlin
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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