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Anton Kuh - Biographie
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283 prozessen und den Bestrebungen, die Zensur wieder gesetzlich zu ver- ankern, um etwas anderes gehe: »nicht um Kunst«, wie der deutsch- nationale »Tag« formuliert, »sondern um einen Kampf für und gegen kulturelle Volkswerte. Parteibestrebungen«: »Es herrscht Kriegszustand. Die Liga aber verschanzt sich hinter unehrlichen Begriffskonstruktio- nen.« Und erntet prompt Applaus von rechts  – »Herr Kuh hat das Verdienst, es ausgesprochen und statt der dumpfen, unehrlichen Ideo- logie eine ehrliche Gegnerschaft angestrebt zu haben«97  –, während die Blätter der bürgerlichen Mitte sich damit begnügen, lakonisch sein Auftreten zu vermerken. Mit der Stegreif-Rede »Aber das Publikum  …!«, angekündigt als »Der Snob von Berlin (Neue Beispiele)«98, setzt Kuh das »Szene«- und insbesondere das Prominenten-Bashing fort. Selbst wenn schon der Vortragstitel ausdrücklich und unmißverständlich ankündigt, daß er sich über das, über sein Publikum hermachen werde, strömt es ihm in Scharen zu. So am Samstag, 2. Feber 1929, ¾ 11 Uhr nachts. Es ist hundekalt, es ist der Höhepunkt der Berliner Ballsaison  – und dieses Publikum füllt die Komödie am Kurfürstendamm bis in die letzten Winkel der Logen. Und läßt sich von Kuh abwatschen. Er zieht zwar auch über die Urheber jener »Narkotika fürs Gehirn«, über die Textdichter jener »schmalzigen Niederträchtigkeiten«, Ope- rette genannt, her, aber schärfer noch schmäht er jene, die sich das und überhaupt unterschiedslos alles reinziehen  – entrüstet und unnachsichtig, denn er ist indisponiert, und da erlaubt er sich Gesinnung, um der flügellahmen Muse auf die Sprünge zu helfen –: jene, die mit derselben Verzückung vor Richard Tauber und »Frie- derike« sitzen wie vor der »Revolte im Erziehungshaus« oder Piscators Unternehmungen. Er wettert gegen das »Narkotikum des unbefreiten Menschen«, wie er das Theater bezeichnet, und gegen jene, auf die es wirkt und die aufatmend und entzückt feststellen, daß Goethe die Friederike nur geküßt habe und daß, zumindest in der Lehár-Operette »Friederike«, sonst nichts vorgefallen ist. Das deutsche Publikum  – lauter »absolvierte Gymnasiasten«, deren Seele dauernd unterirdische Refrains singe (»Ich hab’ mein Herz  – –«), das zwei Seelen in der Brust trage: »die eine sucht die blaue Blume in metaphysischen Gefilden, die andere ist bestrebt, die besten Betonbrücken der Welt zu konstruie- ren«  … Und dem Publikum tut die Philippika sichtlich wohl: »Pallen- Massenkundgebungen führen zum Verbot jeder weiteren Vorführung durch die Filmoberprüfstelle am 11.12.1930. Berlin, Die Komödie, 2.2.1929, 22.45 Uhr: Aber das Publikum …!
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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