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Anton Kuh - Biographie
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289 den Sportplatz (oder woanders hin) und den Geist an den Schreibtisch. Das ist das Unglück. Man soll statt dessen den Eros in die geistige Existenz aufnehmen. Denn dieser Eros ist die eigentliche Wahrheit der lebendigen Welt, er ist das Substanzielle, die Sache, auf die es ankommt. Und so bedeutet, nach Anton Kuh, das Wort Sachlichkeit im Grunde nichts anderes als Erotik.«119 Auf seinem Parcours von Kant zur zeitgenössischen »Okkasions- freiheit« läßt sich Kuh über den umtriebigen Sexualforscher Magnus Hirschfeld, Vorstand des Berliner Instituts für Sexualwissenschaften, aus, »der sich von schreienden Plakaten herab als wissenschaftlicher Sachwalter jeder Abart von Erotik anpreist«,120 und erst recht über van de Veldes weitverbreitete Bücher,* die, so Kuh sarkastisch, das »Mül- lern«** in die Erotik einführen wollen.  – Dem »Völkischen Beobachter« ist das alles eins: »Echt jüdische Themata!«121 Ebenso herzhaft der Willkomm der »Dötz«, der den Wiener Auftritt des Cheferotikers ankündigt: »Eine Kuh im Theater in der Josefstadt. / Heute um halb 12 Uhr mittags spricht im Theater in der Josefstadt der jüdische ›Schriftsteller‹ Anton Kuh über ›Sachlichkeit in der Erotik‹. Der Gegenstand des Vortrages selbst kennzeichnet den Vortragenden wohl zur Genüge. Kuh ist eine Type jener ›neuen Zeit‹, die im No- vember 1918 über uns hereingebrochen ist, ein Vertreter jenes modernen Schrifttums, das, aus dem verfaulenden Blute eines Wüstennomadenvolkes geboren, jeden Schmutz zur Kunst stempelt, um auf diesem Wege das Gift der sittlichen Zerset- zung in das  – leider Gottes!  – viel zu duldsame Wirtsvolk zu tragen. Für diese Duldsamkeit, die schon die Grenzen des Erträglichen überschreitet, zeugt ja die Tatsache, daß ein Vortrag über ›Sachlichkeit in der Erotik‹ in einer auf deutschem Boden befindlichen Stadt überhaupt angekündigt und gehalten werden kann, dazu noch von einem Men- schen, der wahrscheinlich nur eigene Erfahrungen aus den schmutzigsten Sümpfen der Großstadt zum besten geben kann und der nur einen Be- rechtigungsnachweis für einen solchen Vortrag aufzuweisen hat, nämlich das Diplom eines von seiner rasseverwandten Presse großgemachten * Theodoor Hendrik van de Veldes 1926 erschienenes Buch »Het volkomen huwelijk« (deutsch: »Die vollkommene Ehe. Eine Studie über ihre Physio- logie und Technik«. Leipzig, Stuttgart 1926) ist das »Aufklärungsbuch« der 1920er und 1930er Jahre. Obwohl es auf dem Index steht, erreicht es 1932 die 42. Auflage. ** Vielgepflogenes Fitneß- und Krafttraining, benannt nach dem dänischen Musterathleten Jörgen P. Müller. Wien, Theater in der Josefstadt, 2.3.1930, 11.30 Uhr: Sachlichkeit in der Erotik
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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