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Anton Kuh - Biographie
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387 nicht nur untrüglich aus ihrer Visage, sondern auch an ihrem Gehabe zu identifizieren imstande ist: an dieser »Eckigkeit und Ungelenkigkeit, diese[m] Hacken-Zusammenschlagen der Stimme bei gleichzeitigem Versuch, den Mund zu einem Lächeln zu zwingen, diese[m] Spitzmäul- chen-Ziehen, während die Augen wie Stahl und Frost dreinsehen, die- se[m] hoffnungslose[n] Bemühen, die ›Kaserne im Menschen‹ unsichtbar werden zu lassen«60. Zahlreich die Parodien auf die Phantasiesprache Adolf Hitlers, dieses »Schalltrichter[s] mit Umlegekragen«, dieser »behoste[n] Phrase«61, der, »feiner Herr aus Tullnerbach, das ist sudetendeutsch mit einem Hauch Hannover«, es »nach Art österreichischer Postkontrolleure für ein Zei- chen von Bildung [hält], die harten Konsonanten weich anzusetzen und die weichen hart, sagt ›Ichmöchtebedohnen‹ und ›Ichsähesieja gommen- dieherrendiblomatten‹ und jedes Wort klingt wie ein Kommando ins Leere«62; von Klein Adolf, der den bürokra tisch-admini strativen Nazi- Jargon schon so perfektioniert hat, als sei er aus Aktenpapier gekro- chen,63 über ein fingiertes Interview Antoine Delavaches mit dem deutschen Reichskanzler, das versehentlich nicht im »Paris-Midi« er- schienen ist64, »Daitschland. Eine neue Führer-Rede«65 bis hin zu einem Deutsch-Aufsatz von Reichskanzler Adolf Hitler zum Thema »Die Winterhilfe«, dem »Studienrat Anton Kuh« leider »grammatikalische Rassenschändung« attestieren muß.66 So wie er als »Professor Strengohr« 1932 schon der Regierungserklärung des Kabinetts Papen das zweifel- hafte Kompliment machen mußte, in 35 Jahren Lehrtätigkeit keinen miserableren Deutsch-Aufsatz zu Gesicht bekommen zu haben: »Lauter papierene Amts-Partizipien und Kundmachungs-Genitive  – kein wirk- liches Tropfen Sprachblut!« Und erst die »möglichst gedrungen und deutschtümlich« wirken wollenden »furchtbarsten Neuprägungen. Ich möchte es das Schweinsblasen-Deutsch nennen, weil es sich vor dem Auge so künstlich aufplustert, wie es vor der Vernunft rasch zerplatzt.« Resümee der faksimilierten Korrekturen in Kurrent: Niemals vorher sei die deutsche Sprache so mißhandelt worden als gerade in diesem Goethe-Jahr  – ergo: Nichtgenügend!67 So genial wie der auf Hitler gemünzte Satz Pallenbergs, den Kuh in seinem Nachruf auf den Schauspieler kolportiert: »Er sieht aus wie ein Heiratsschwindler«68, ist Kuhs Schöpfung  – nach dem Motto: »Zum Topf passt Gericht wie zum Tropf das Gesicht« und nach der Erkennt- nis, daß Phrasen physiognomiebildend wirken (Beispiel: das Durchhal- ter-in-Eisen-Antlitz Hindenburgs)  – »Eintopfgesicht« für die gleich- geschaltete NS-Visage. Die kulinarische Gleichschaltung  – der 1933 von den Nationalsozialisten zur Stärkung der Volksgemeinschaft ver-
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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