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Grundlage des Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes aus dem
Jahr 1917 per Notverordnungen autoritär zu regieren. Im Oktober
1933 richtet die Regierung des österreichischen Ständestaats auf dem
Gelände der ehemaligen Munitionsfabrik in Wöllersdorf-Steinabrückl,
Niederösterreich, ein Internierungslager für Regimegegner ein.
Mit der Schutzmacht Italien im RĂĽcken geht das DollfuĂź-Regime
auch gegen die NSDAP vor, die mit Sprengstoffanschlägen die Lage zu
destabilisieren versucht, und verhängt am 19. Juni 1933 ein Betätigungs-
verbot. Die Verhängung der Tausend-Mark-Sperre durch das Deutsche
Reich per 1. Juni 1933 soll den wichtigsten Wirtschaftszweig Ă–ster-
reichs, den Fremdenverkehr, treffen.
In den Feberkämpfen des Jahres 1934 erreichen die Auseinanderset-
zungen die Dimension eines offenen BĂĽrgerkriegs. Unmittelbarer An-
laĂź ist der bewaffnete Widerstand von Linzer SchutzbĂĽndlern gegen
eine Waffensuchaktion der Heimwehren in Arbeiterheimen. Dem Kampf
in Linz folgen von 12. bis 15. Feber Aufstände in Wien und zahlreichen
Industriestädten Österreichs, die von der Exekutive mit äußerster Bruta-
lität niedergeschlagen werden. Symbolkräftig: Die vom »Roten Wien«
errichteten groĂźen Gemeindebauten, in denen sich Arbeiter verschanzt
haben, Reumannhof, Karl-Marx-Hof, Goethehof, werden vom Bundes-
heer mit schweren GeschĂĽtzen sturmreif geschossen.
In der Folge wird die Sozialdemokratische Partei verboten, ihre Orga-
nisationen werden aufgelöst, ihr Vermögen wird beschlagnahmt, das
Rote Wien steht unter der Verwaltung eines »schwarzen« Bundeskom-
missärs. Mit der Proklamation der berufsständischen, autoritären »Mai-
verfassung« 1934 wird auch in Österreich ein faschistisches Regime
errichtet.
Der sogenannte »Juliputsch«, ein nationalsozialistischer Umsturz-
versuch, der am 25. Juli 1934 mit dem Ăśberfall von als Soldaten des
Bundesheeres und Polizisten verkleideten SS-Männern auf das Bundes-
kanzleramt in Wien beginnt, wird nach teils heftigen Gefechten zwischen
Nationalsozialisten und den Streitkräften der Bundesregierung in der
Steiermark, in Kärnten, Oberösterreich und Salzburg bis 30. Juli nieder-
geschlagen. Unter den mehr als 200 Menschen, die bei den Kampfhand-
lungen getötet werden, ist Bundeskanzler Engelbert Dollfuß.
Erklärte Absicht des deutsch-österreichischen Abkommens, das am
11. Juli 1936 bekanntgegeben wird, ist es, die Beziehungen zwischen
den beiden StaatenÂ
– nach dem Propaganda- und Wirtschaftskrieg, den
NS-Deutschland seit 1933 fĂĽhrtÂ
– »wieder normal und freundschaftlich
zu gestalten«. Die deutsche Reichregierung hebt etwa die Tausend-
Mark-Sperre auf, anerkennt die volle Souveränität Österreichs und
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Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter SchĂĽbler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien