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Anton Kuh - Biographie
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390 sichert zu, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Nachbarstaats einzumischen. Im Gegenzug werde die österreichische Bundesregie- rung »ihre Politik im allgemeinen wie insbesondere gegenüber dem Deutschen Reiche stets auf jener grundsätzlichen Linie halten, die der Tatsache, daß Österreich sich als deutscher Staat bekennt, entspricht«. Ein nicht veröffentlichtes Zusatzprotokoll stellt diese Verlautbarungen indessen auf den Kopf. Es spiegelt die Verschiebung der Machtverhält- nisse nach der Annäherung Roms an Berlin wider, durch die Österreich die Schutzmacht seiner Selbständigkeit, das faschistische Italien, verloren hat. In diesem sogenannten Gentlemen-Agreement verpflichtet sich Österreich zu einer engen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Zusammenarbeit mit Deutschland  – eine Klausel sieht eine permanente Konsultation Deutschlands seitens Österreichs vor  –, zu einer umfas- senden Amnestie von Nationalsozialisten und zur Einbindung von Vertretern der den Nationalsozialisten nahestehenden »nationalen Op- position« in die Regierung. »Realpolitisch« also »kalter Anschluß«. Die 41 Wiener »Meldezettel für Reisende« (bis Juni 1937 des Hotel Bristol, ab dann des Hotel Beatrix), die von Januar 1935 bis Feber 1938 überliefert sind, weisen als »ordentlichen Wohnsitz« Anton Kuhs bis Juni 1937 Paris, zumeist das Hotel »La Boëtie« unweit der Champs- Élysées, ab Juli 1937 London aus. Gleich, ob Anton Kuh nun in Hinkunft von Paris oder London  – wo er von Ende 1934 bis Mitte 1936 vorwiegend lebt  – oder von New York aus (ab 1938) die Vorgänge in seiner Geburtsstadt kommentiert, tut er das bis (beinahe) zuletzt nicht als indifferenter Zaungast, sondern weiter- hin als, mit Verlaub, verzweifelt Liebender. Die Bürgerkriegsereignisse des Feber 1934 etwa, die Walther Rode markig kommentiert hatte: »Die Dollfußsche Kanonade kommt vom echt österreichischen Kretinismus her, ist der Kirchweihexzeß eines Dorftrottels«74, und die Etablierung des österreichischen Ständestaats kommentiert Kuh in der Pariser Illustrierten »VU« unter dem Titel »La fin de Vienne«: Mit dem Fall dieser letzten Bastion der Zivilisation in Zentraleuropa sei der seit 1919 tobende Kampf der Provinz (des allzu platten Landes) gegen die Stadt entschieden und der Untergang der romanischen Lebensart, des »Leben und Lebenlassen« besiegelt.75 Den »Juliputsch« 1934 sieht Kuh als Fanal des 15. Juli 1927, des »Tags des Wiener Bastillensturms«, »an dem die Sozialdemokratie in Österreich ihre Entscheidungsschlacht verloren hatte (die Febertumulte waren ja bloss ein hoffnungsloses Nachspiel)«.76 »Die Milde der Justiz, welche den Eintags-Sturm von 1927 hervorrief, hat ihre bösen Früchte getragen, aus den Freigesprochenen wurden Terroristen. Ihre Helfershelfer aber
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Anton Kuh Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Title
Anton Kuh
Subtitle
Biographie
Author
Walter Schübler
Publisher
Wallstein Verlag
Location
Göttingen
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8353-3189-1
Size
13.8 x 22.2 cm
Pages
576
Category
Biographien
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