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gegen eine Räuberbande, an deren Spitze der »Schwarze Teufel«, die
aus ihrem skurrilen Versteck, einem riesigen WeinfaĂź, heraus durch auf
und nieder wippende Sehschlitze die Gegend ausspioniert; ein Wald-
schrat mit der Anmutung eines Weihnachtmanns, dessen kolossales
Lachen den Schnee von den tiefverschneiten Tannen rieseln läßt; eine
geldgierige Wahrsagerin; eine abgelegene Schenke in einem Bergdorf;
ein Geldschatz in einem Wollstrumpf, der entwendet wird und dem ein
Trupp Gendarmen und eine Räuberbande hinterherjagt; ein tief ver-
schneiter Winterwald; ein Esel und ein Hund als treue Begleiter des
kleinen Helden der Geschichte. Ein Märchen, wo – Ende gut, alles
gut – es den Guten gelingt, die Bösen zu demaskieren und dingfest zu
machen.
Auf einer zweiten Ebene gelesen, kann das Bärtchen, das die unifor-
men Räuber-Orchestermusiker tragen, sowohl als Hommage an Charlie
Chaplin wie auch als Anspielung auf Adolf Hitler verstanden werden;
mögen die Formation der clownesken Musiker und die operettenhaft
karikierten Gendarmen viel von den Briganten Jacques Offenbachs an
sich haben – wenn sie durch den Film paradieren, vermag man durch-
aus auch das Stampfen von Stiefeln im Gleichschritt zu vernehmen;
auch die schnauzbärtigen Gendarmen mit Zweispitz und Cape, eigent-
lich Hüter der Ordnung, sind weniger hinter den als Biedermänner
verkleideten Räubern her, als sie ihnen, im Gegenteil, zuweilen den
Weg frei machen. Und wer beim musizierenden Landfahrervolk ohne
festen Wohnsitz an die Situation des Exils denkt, sieht die politischen
Verhältnisse mit verspielter Phantasie ins Märchenhaft-Skurrile verfrem-
det und verdichtet.
Gedreht in Großbritannien – die Innenaufnahmen wurden in den
Londoner Elstree-Studios gedreht –, Österreich (Bad Gastein) in der
Schweiz (Chamonix) und in Frankreich (am Mont-Blanc) mit Schauspie-
lern aus Ă–sterreich, Deutschland, England und Frankreich, spielt und
spricht auch die Musik alle Rhythmen und Sprachen dieser Welt.
Während das zeitgenössische Publikum mit dem Film, der keinen
Verleih fand und im Palace Theatre im Londoner West End (an der
Shaftesbury Avenue), einem Sprechtheater-Saal, im Mai 1936 einige
Wochen lief,2 nicht viel anfangen konnte, war Anton Kuh hörbar stolz
auf seine Mitwirkung. Im Januar 1934 vermeldet er aus Chamonix:
»Ein Klavier auf dem Wintergletscher?! Wer hat es hingestellt? Aus
welcher Unterwelts-Bar ist es aufgestiegen? … Nun, wo solche Wun-
der ans Licht treten, ist immer auch ein Filmregisseur in der Nähe. Man
wird den Deus ex machina im Tal unten bei einer Kamera finden. Und
der Verfasser will auch gleich gestehen, daß er an dem Naturphänomen:
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book Anton Kuh - Biographie"
Anton Kuh
Biographie
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Title
- Anton Kuh
- Subtitle
- Biographie
- Author
- Walter SchĂĽbler
- Publisher
- Wallstein Verlag
- Location
- Göttingen
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8353-3189-1
- Size
- 13.8 x 22.2 cm
- Pages
- 576
- Category
- Biographien