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von Sigmund Freud, das der Wiener Fotograf
und Porträtmaler Ferdinand Schmutzer (1870–
1928) im Jahr 1926 aufgenommen hat, ist so ein
perfektes Foto.1 Es zeigt Freud am Tisch sitzend.
Seine Körperhaltung ist relativ entspannt, doch
sein Blick ist streng und durchdringend. Mit
dem Wissen um Freuds wissenschaftliche Leis-
tung ist man geneigt, in diesem Blick den Blick
in die menschliche Psyche zu sehen. Die ganze
Aufmerksamkeit ist auf die Augen gerichtet. Der
Rest der Physiognomie ist nebensächlich. Den
sorgsam gestutzten Bart und die etwas asymme-
trische Lippe nimmt man bei Weitem nicht so
intensiv wahr.
Das Porträtfoto von Karl Popper ist zwar
nicht im Atelier entstanden, es ist aber genauso
perfekt. Dem Fotografen gelingt es, Popper in ei-
nem nachdenklichen Moment festzuhalten und
man ist bereit, die ganze wissenschaftliche Leis- tung Karl Poppers durch dieses Porträt
foto wahr-
zunehmen. Den Kopf geneigt, die linke Hand an
der Stirn, den Blick nach innen gekehrt bleibt
der Porträtierte für sich. Der Blick des Betrach-
ters kann leicht über das ganze Gesicht wandern
und die einzelnen Partien, den Mund, die Au-
gen, die Haare, die großen Ohren und die Falten
geruhsam wahrnehmen. Wenn man das Porträt-
foto lange genug anschaut, dann überträgt sich
die fast meditative Ruhe Poppers auch auf den
Betrachter.
Die unterschiedlichen Qualitäten dieser bei-
den Porträts sind offensichtlich, doch beide sind
gleichermaßen in der Lage, unsere Wahrneh-
mung von den abgelichteten Personen weitge-
hend zu bestimmen und das mit dem Anspruch
der Objektivität der fotografischen Technik.
Einen ganz anderen Eindruck vermitteln die
Büsten dieser beiden Wissenschaftler im Arka-
denhof der Universität Wien (Abb. 3 und 4). Die
martin
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1 A. Hanreich, Ferdinand Schmutzer (1870–1928): der fotografische Nachlass, Diss. Wien 2012.
Abb. 1: Ferdinand Schmutzer, Porträtfoto des 70-jährigen
Sigmund Freud, 1926. Abb. 2: Porträtfoto von Karl Popper.
Open Access © 2018 by BÖHLAU VERLAG GMBH & CO.KG, WIEN KÖLN WEIMAR
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Title
- Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
- Editor
- Ingeborg Schemper-Sparholz
- Martin Engel
- Andrea Mayr
- Julia Rüdiger
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- WIEN · KÖLN · WEIMAR
- Date
- 2018
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-20147-2
- Size
- 18.5 x 26.0 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
- Categories
- Geschichte Chroniken