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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
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Page - 239 - in Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa

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rüber, und dessen Deckel schließlich wird, wie um das in Wirklichkeit ja leere Grab zu siegeln, mit nochmals drei gewichtigen Folianten belas- tet. Hier wie in anderen Grabdenkmälern auf- fallend ist, daß deren in Architektonik und plas- tischer Figuration strenge Symmetrie entlang einer vertikalen Spiegelachse ausschließlich, aber eben unübersehbar durch die teils disparat ver- streuten Bucharrangements konterkariert wird – ausgerechnet die Speichermedien geordneter Erkenntnis tumultieren chaosstiftend durch die architektonisch-plastische Harmoniewelt ihres publikumswirksamen Bühnenbildes. Hielt zuvor das Bronze- oder Steinbuch auf attributivem Wege Einzug ins (Grab-)Denkmal, so umgekehrt dieses, und zwar nicht minder imaginär, ins Buch: In architektonischer Rah- mung erinnern viele Innentitel neuzeitlicher Druckwerke sowie die Frontispize des Auto- renbildnisses jene Funeralarchitekturen aus Re- naissance und Barock, die ihrerseits die antike Ehrenpforte rezipieren, die zur Ädikula formu- lierte, wahlweise bogen- oder giebelüberfange- ne, manchmal mit Architrav überdeckte Säulen- stellung. Diese bei den Säulenordnungen seiner Quattro libri dell’architettura aufgreifend, setzte sie 1570 Andrea Palladio (1508–1580) im eigenen Werktitel in doppelsäulige Szene um; schon 1549 waren sie geradezu rigid kanonisch beim Padua- ner Denk-, also nicht etwa Grabmal des tatsäch- lich in Rom beigesetzten Pietro Bembo (1470– 1547) erschienen.6 (Abb. 3 und 4) Ohne weitere buchgeschichtliche Ausführung sei erinnert, daß die ersten gedruckten Bücher den Titel nur im Typensatz kannten, dem sich alsbald der bildgra- phische Holzschnitt in Gestalt von Emblemata und Druckerzeichen beigesellte. Das später ein- geführte Autorenbildnis konnte in Gegenstän- digkeit zum Titel über den Buchfalz hinweg auf diesen blicken, so im Profil und posthum beim New Kreütterbuch eines Hieronymus Bock, ge- nannt Tragus (1498–1554).7 Das Frontispiz – die Architektur mit dem Fronton des Gebäudes teilt sich diesen Begriff mit dem gebundenen Buche – als dem Titel links gegenüber gestelltes Blatt ent- wickelte sich seit der Mitte des 16. Jahrhunderts. In großer Themenbreite mochte seine Darstel- lung den Inhalt des Werkes bildhaft andeuten, zunehmend reich befrachtete Allegorien oder eben das Bildnis seines geistigen Urhebers auf- weisen oder ihm sogar das in Wirklichkeit nie- mals bzw. das nur minder prächtig vergönnte Epitaph setzen.8 Abb. 4: Danese Cattaneo und Michele Sanmicheli (?), Epi- taph für Pietro Bembo, 1549, Padua, Basilica del Santo. The PorTable Scholar’S MonuMenT 239 6 Galleni Pellegrini, Andrei und Passegia 2013 (wie Anm. 2), S. 113, Abb. 38. 7 Kreutterbuch, darin underscheidt Nammen und Würckung der Kreutter, Stauden, Hecken und Beumen sampt ihren Früchten […], Straßburg 1577, Frontispiz (Holzschnitt) von David Kandel (um 1520–1525 – [nach] 1592). 8 Z.B. das reale Kenotaph von 1712 für Caspar Ziegler (1621–1690) in der Schloßkirche Wittenberg; dagegen opulent sein graphisches in: Casparis Zigleri […] Disceptationes selectae argumenti varii ex Iurisprudentia Romano-Germa- nica forensi, […], Leipzig 1712, Frontispiz (Radierung?) von unbekanntem Künstler.
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Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Title
Der Arkadenhof der Universität Wien und die Tradition der Gelehrtenmemoria in Europa
Editor
Ingeborg Schemper-Sparholz
Martin Engel
Andrea Mayr
Julia Rüdiger
Publisher
Böhlau Verlag
Location
WIEN · KÖLN · WEIMAR
Date
2018
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-20147-2
Size
18.5 x 26.0 cm
Pages
428
Keywords
Scholars‘ monument, portrait sculpture, pantheon, hall of honour, university, Denkmal, Ehrenhalle, Memoria, Gelehrtenmemoria, Pantheon, Epitaph, Gelehrtenporträt, Büste, Historismus, Universität
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