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220 Dieurbanen„Busentempel“alsMöglichkeitsräume
DieCsárdásfürstinwurde alsDi tshardashfirstin132 demNewYorkerPu-
blikumvorgestellt.DieOperette in vierAkten in einer jiddisch-englischen
(Yinglish)Übersetzungder späten1910er Jahre adaptiertedenKontextdes
Stückes teilweiseandieLebensumstände inder„goldenenmedine“.Umdas
amerikanischePublikumbesseranzusprechen,wurdederBeginnneugestaltet.
DieTourneedesEnsembleswirdausderamerikanischenPerspektivebetrach-
tet;dasPublikumgeht imStückverlaufnichtvonEuropanachAmerikamit,
sondernerlebtvonAmerikaaus,wiedasEnsembleausderMonarchiekommt.
Damit sich das Publikumauch vorstellen kann,woher dieKünstler*innen
stammtenundwiesie„drüben“ lebten, fügtederAutoreinvermeintlich typi-
schesStimmungsbildder„österreichischen“Idylleein.
Heiaheiei ismeinheimatsland isoifdibergeweit /Heaohheaganzhoikhoibendort
meinwiegele shteht. /Dortwo es pliht shendas edelweis. /Dortwo es glenst stes der
shneeuneiz. /Heaahheaklofenhertserwildunheiss. /Wennasiebenbirgermeidel libt
sikh indireiz. /Nitzumshpasennurganzernstzogtzie:dibistmein.[!]133
JenemTeildesPublikumsohneMigrationserfahrungwurdemitdembekannten
Einstiegslieddieeigentliche„Location“desEnsemblesvorgestelltundnahege-
bracht.DasweitereStückhindurchbliebdieCsárdásfürstinunverändert.
WiedieBeispielederAufführungenvonderCsárdásfürstinundderStra-
ßensängerinzeigten,variiertedasVorgehen inderNeuinszenierungpopulärer
Stücke.EinweiteresderbekanntestenBeispiele für einederartigeAdaption
populärerHandlungenwardasabermaligeAufgreifenundNeuinterpretieren
vonAbrahamGoldfadensberühmterOperetteShulamit.Dieseerlangtevor
der Jahrhundertwende inNewYorkBekanntheit.Wenigspäter fandsie sich in
kleinerenundgrößerenAdaptionenaufdenBühnenderMonarchie.Fürein
kleinesTheater inBudapestwurdedasStück1898aufUngarischentworfen.
DassdieSzenenichtaneinenderartigenErfolgderungarischenProduktion
glaubte,zeigtedieBerichterstattungindenZeitungen.DasWienerFremdenblatt
berichteteüberdieseAufführungendeseigentlich jiddischenTheaterstücks.
AmhiesigenungarischenTheaterwurdeheutedasselteneJubiläumderhundertstenAuf-
führungdes biblischen Singspiels ‚Shulamith‘ vor ausverkauftemHause gefeiert. Es ist
diesderersteFall,daßeinmusikalischesWerkaufeinerBudapesterBühne ineinerSai-
sonhundertAufführungenerlebteundwirddieBedeutungdiesesEreignissesnochda-
132 EmmerichKálmán,Di tshardashfirstin,Übersetzungvon JuliusAdlerP (Ms.Yid. 105).
NYPL,Dorot JewishDivision,Theater Collection: Da dasManuskript größtenteils nur
transliteriertwurde, istandieserStelledie jiddischeTranskriptionzitiert.
133 EmmerichKálmán,Di tshardashfirstin,Übersetzungvon JuliusAdlerP (Ms.Yid. 105).
NYPL,Dorot JewishDivision,TheaterCollection.
© 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien
https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
Auf die Tour!
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
- Title
- Auf die Tour!
- Subtitle
- Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
- Author
- Susanne Korbel
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21188-4
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 272
- Category
- Kunst und Kultur