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230 Zusammenfassung
Undeineandere,nachderdieStückedemPublikumdeneigenenmonolithi-
schenZugangvorAugenführten.DieStückehieltendemPublikumsoeinen
Spiegelvor, indemsiesichüberdieNaivität jener,diesichunhinterfragtmit
solchenStereotypenausdrücktenundpositionierten, ironisierten.
DasGleichegilt fürZuschreibungenvonJüdisch-Sein:Was inderVerortung
derafrikanischenWüsteals„jüdischeSahrah“artikuliertwurdeodersich in
derbeiläufigenEinflechtungvermeintlich„jüdischer“Ausdrückeniederschlug,
wies auf die gemeinsameGestaltung desAlltags von Jüdinnen, Juden und
Nichtjüdinnen,Nichtjudenhin.DerUmstand,dassdiepopuläreKulturdas
wie selbstverständlichdemPublikumtransportierte, deutetewiederumauf
derenSubversivitäthin.WennNichtjüdinnenundNichtjudenJüdinnenund
Judenspielten,hießdasnicht,dass sieeine totaleOppositionzwischen jüdisch
undnichtjüdischgeneriertenundumgekehrt. IndenvorgestelltenBeispielen
wurden immerwieder auchÄhnlichkeiten aufgezeigt.Anstatt Entwürfe als
exklusiv darzustellen, wiesen sie „partielle Übereinstimmungen“ auf.2Das
zeigtesichauchimUmgangmitdennegativenStereotypen.Esfehltezwarnicht
anantisemitischenStereotypen, jedochwarendiesekeineswegsdieeinzigen,
dieaufgegriffenwurden.DieKünstler*innenwarfenebensoStereotypeüber
nationalisierteLesarten,überGeschlechteretc. ein.Gleichzeitigkehrtendie
StückeundLiederzwischenSelbst-undFremdironiedieLesartderStereotype
um.
Sowohl inderMonarchiealsauchinNewYorkbotendieStückeRaumfür
einQuerlesenderStereotypeundRollenbilder.VordemHintergrund,dass
jederderTexte,dieaufgeführtwerdenwollten,derZensurvorgelegtwerden
musste,botsichReisenalsgefundenerAufhängerfüreineReinterpretationvon
StereotypenundRollenbildernan.DieMetapherderMobilitätunddesReisens
botdieMöglichkeit, Stereotypeunddas ‚Andere‘außerhalbderMonarchiezu
verortenundsomit fürdieZensurunproblematischerscheinenzu lassen:Der
„CommisVoyageur“reistezwischennichtnäherbestimmtenOrtenumher.Die
KriminalitätgegenüberdemWienerQuartett ereignetesich inNewYorkund
dieGeldbörsewurdedemWienerTouristen inParisgestohlen.Repräsentiert
alsReisedurchsLeben, führteMobilitätdenErwerbvonLebensweisheitund
Könnenvor. InNewYork,woüberAufführungserlaubnissedieActorsUnions
entschieden, konntenDingedirekter angesprochenwerden.Zumeinenzur
ReflexionundzumanderenalsHinweiszurHinterfragungdesBildesüberdie
Populärkultur fungiertedieDarstellungvonMobilitätbeziehungsweiseMigra-
tion inderFigurder jüdischenStraßensängerin indemStückDerBeitHmdrsh
ointerdererdoderdaIdisheShtroßenZengerinvonBorisThomashefsky.Mit
2 Hödl,ZwischenWienerliedundDerkleineKohn,187.
© 2021 by Böhlau Verlag Ges.m.b.H & Co. KG, Wien
https://doi.org/10.7767/9783205211884 | CC BY 4.0
Auf die Tour!
Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
Zwischen Habsburgermonarchie und Amerika
- Title
- Auf die Tour!
- Subtitle
- Jüdinnen und Juden in Singspielhalle, Kabarett und Varieté
- Author
- Susanne Korbel
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Date
- 2021
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21188-4
- Size
- 15.9 x 24.0 cm
- Pages
- 272
- Category
- Kunst und Kultur