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Neue Mobilitätskonzepte und autonomes Fahren: Potenziale der
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nach wie vor zum Statussymbol taugt, im Verleihverfahren von mehreren, beliebigen Per-
sonen genutzt wird.
Tatsächlich reiht sich das Carsharing ein in eine ganze Reihe von Entwicklungen, bei
denen „Güter“ auf Leihbasis „geteilt“ werden, die bislang als nicht verleihbar galten: die
selbst genutzte Wohnung, der Schrebergarten, das Auto. Ă–konomen begrĂĽnden die Verleih-
barkeit (oder Nicht-Verleihbarkeit) eines Gutes mit der Differenz zwischen den entstehen-
den Transaktionskosten und den Einnahmen, die über den Verleih generiert werden können;
entsteht eine positive Differenz, ist der Verleih begrĂĽndet, und er ist umso interessanter,
je höher die Differenz ausfällt [20]. Das Verleihen wird für den Einzelnen jedoch nur dann
sinnvoll, wenn er über ein Produkt verfügt, dessen Kapazität er unvollständig nutzt – des-
halb der Verleih des eigenen Autos in Standzeiten, der Verleih der Wohnung, solange man
selbst im Urlaub ist, der Verleih des privaten Parkplatzes vor dem Haus, während man
tagsĂĽber bei der Arbeit ist.
Die Auseinandersetzung mit den Wirkungen eines geteilten Nutzens stammt – zumin-
dest in Deutschland – im Wesentlichen aus der Diskussion um die nachhaltige Nutzung von
Ressourcen [21, 22, 23]. Dabei zeigt sich das Sharing auf aggregierter Ebene, d. h. auf
regionaler, nationaler oder auch supra-nationaler Ebene, als eine Möglichkeit zur Ressour-
ceneinsparung. Auf individueller Ebene dagegen bedeutet Sharing nicht weniger Konsum,
sondern die Möglichkeit zu gleichbleibend hohem oder auch mehr Konsum. Als Beispiel
hierfĂĽr kann in der Tat das Carsharing angesehen werden, bei dem den Mitgliedern der
jeweiligen Organisation eine Vielfalt an Fahrzeugen oder doch mehrere Fahrzeugtypen zur
VerfĂĽgung gestellt werden. Diese Fahrzeuge bieten eine Breite an KonsumgĂĽtern des Typs
Fahrzeug, die die Möglichkeiten von Privathaushalten mehrheitlich übersteigen würden,
wenn sie diese Bandbreite an Fahrzeugen selbst besitzen wollten. Auf aggregierter Ebene
werden weniger Fahrzeuge benötigt (der Bundesverband Carsharing (BCS) gibt an, dass
sich – rein rechnerisch – im stationären Carsharing 42 Personen, im flexiblen Carsharing
70 Personen ein Fahrzeug teilen [5]); auf individueller Ebene bleibt damit eine hohe Mo-
bilität gewährleistet.
In den Anfangsjahren war das Carsharing oft verbunden mit einer Einstellung, bei der
dem Autofahren als solchem kein „Handlungsnutzen“ zugesprochen wurde – sprich: Auto-
Nutzer mit einer entsprechenden Einstellung empfanden keinen SpaĂź am Autofahren (vgl.
[21], S.92). Vielmehr war die Nutzung eher aus einer Einstellung heraus motiviert, die der
wachsenden Motorisierung der privaten Haushalte eine wesentliche Mitverantwortung an
der Verschlechterung der Umweltbedingungen gab, der die Carsharing-Mitglieder ent-
gegenwirken wollten [12]. Dies hat sich möglicherweise grundlegend geändert. So hat sich
das Produkt Carsharing – sowohl in der flexiblen und zunehmend auch in der stations-
basierten Version – zu einem kommerziellen Produkt entwickelt. Darüber hinaus belegen
Untersuchungen zur Nutzung von flexiblem Carsharing, dass Aspekte wie „Aufmerksam-
keit, erlebte Sympathie, Spaß und Begeisterung“ ganz wesentliche Motive sind (vgl. [24]
S.21: Zustimmungsraten zu entsprechenden Aussagen zwischen 38 und 86 Prozent). Damit
ĂĽbernimmt das Carsharing-Fahrzeug bzw. die Carsharing-Nutzung emotionale und psycho-
soziale Funktionen, die dem Auto bislang nur in Form von Eigentum zugesprochen wurden
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung