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Neue Mobilitätskonzepte und autonomes Fahren: Potenziale der
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lich optimierte Routenverläufe – entsprechend den Anforderungen seitens der Kunden –
ersetzt.
Diese Individualisierung des öffentlichen Verkehrs kommt spätestens dann einer
„
Hybridisierung“ gleich, wenn jenseits der Flexibilisierung von Zeiten und Routen auch
Auswahlmöglichkeiten hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Fahrzeuge angeboten wer-
den. Grundsätzlich ist die Überlegung, den öffentlichen Verkehr über das fahrzeug
spezifische
Angebot zu differenzieren, nicht neu. Allerdings hat sich dies aufgrund der Kosten, die beim
Vorhalten unterschiedlicher Flotten mit entsprechendem Personal entstehen, bisher nur in
sehr engen, meist touristischen Nischen durchsetzen können (z. B. das Cable Car in San
Francisco, der Glacier Express in der Schweiz oder der Blue Train in Südafrika).
9.6.1 Neugestaltung von Intermodalität und Flexibilisierung
des öffentlichen Verkehrs
Intermodalität wird definiert als der Wechsel zwischen unterschiedlichen Verkehrsmitteln im
Verlauf eines Weges [33]. Folgt man dieser Definition, dann gibt es – zumindest in Deutsch-
land – intermodales Verhalten in einem nur ganz geringen Umfang. Laut der Studie „Mobi-
lität in Deutschland 2008“ trifft dies nur auf 1,3 Prozent aller Alltagswege zu [1]. Nicht be-
rücksichtigt ist dabei allerdings das erhebliche Maß an Intermodalität innerhalb des öffent-
lichen Verkehrs, insbesondere in der Verknüpfung von Hauptstrecken mit Zu- bzw. Abgangs-
strecken. Typisches Beispiel hierfür ist der Zugang zu S-Bahnen oder Regio
nalbahnen über
eine Buslinie, wie er vor allem in suburbanen und ländlichen Gebieten besteht. In großen
Städten ist die Intermodalität zwischen den unterschiedlichen Verkehrsmitteln S-Bahn,
U-Bahn, Straßenbahn und Bus angesichts der Überlagerung der Netze der einzelnen Ver-
kehrsmittel noch deutlich stärker ausgeprägt. Im Folgenden wird vor allem die Situation in
städtischen Randgebieten und weniger dicht besiedelten (ländlichen) Räumen reflektiert.
Vergleichbare Szenarien für die Stadt diskutiert Heinrichs in diesem Band (s. Kap. 11).
Die Neugestaltung von Intermodalität durch die Nutzung autonomer Fahrzeuge könnte
analog zum derzeit bestehenden System über den privaten Pkw oder aber ein öffentliches
System stattfinden. Im Alltagsverkehr würde die Durchführung des Zu- und Abgangs für
die Hauptstrecke mit dem privaten Pkw in etwa dem entsprechen, was heute als Kiss-and-
Ride bezeichnet wird: Eine Person bringt eine andere mit dem Pkw zum Verkehrsmittel
der Hauptstrecke, verabschiedet sich und nimmt dann den Pkw wieder mit, um ihn (in der
Regel tagsüber) während der Abwesenheit des oder der anderen nutzen zu können. Mit
einem autonomen Fahrzeug entfiele diese Notwendigkeit des „Fahrdienstes“, zumindest
dann, wenn kein Verfügbarkeitsfahrer im Fahrzeug anwesend sein muss. Das Muster des
Kiss-and-Ride findet sich in ähnlicher Form auch beim Fernverkehr wieder, wo übrigens
heute schon Carsharing-Betreiber wie DriveNow begonnen haben, ein spezielles Angebot
für den Zu- bzw. Abgang zu Flughäfen, Bahnhöfen oder Fernbus-Bahnhöfen einzurichten
– beispielsweise mit reservierten Parkplätzen am Flughafen oder durch die Gewährung
vergünstigter Tarife bei intermodaler Nutzung von Fernbus und Carsharing-Fahrzeug [34].
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung