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Entwicklungstrends im automatisierten Fahren
rand oder bei einem Vergnügungspark endet und dann mit einem lokalen Mobilitätsdienst-
leister fortgesetzt wird. Damit kommen solche Konzepte vorrangig dort zum Einsatz, wo
ein individuell genutzter Pkw nicht praktikabel oder zulässig ist oder der auf einen be-
stimmten Fahrplan festgelegte Bus nicht flexibel genug ist.
Diese Mobilitätsangebote stehen im Wettbewerb zum klassischen Taxi, jedoch stellen
sie sowohl für den Verbraucher als auch den Betreiber eine kostengünstigere, komfortable
und innovative Mobilitätslösung dar [38]. Aufgrund ihrer Eigenschaften werden diese
Konzepte englischsprachig auch Automated Mobility On-Demand (AMOD) genannt. Sie
stellen eine Individualisierung des öffentlichen Personentransports dar, mit dem Ziel, den
innerstädtischen Verkehr zu transformieren (s. Kap. 9; Kap. 11). Der Anreiz, solche Kon-
zepte einzuführen, besteht für die treibenden Unternehmen darin, neue Geschäftsfelder zu
erschließen bzw. bestehende zu erweitern. Im Vergleich zum bestehenden Taximodell ist
zu beachten, dass der Taxibranche bisher ein vergleichsweise lohnkostenintensives Ge-
schäftsmodell zugrunde liegt. Aufgrund des reduzierten Personaleinsatzes durch auto-
matisierte Fahrzeuge wird nun eine Gewinnsteigerung erwartet [38], die allerdings auch
von Personalabbau in dem entsprechenden Bereich begleitet wäre.
Es erscheint durchaus denkbar, dass automatisierte Fahrzeuge durch die Verknüpfung
von Individualmobilität und öffentlichem Personentransport zu einer Transformation des
Straßenverkehrs in Städten führen. Aufgrund des von vorneherein begrenzten Einsatz-
gebiets und der geringen Fahrgeschwindigkeit ergeben sich gegenüber den beiden ersten
hier diskutierten Szenarien viele Vereinfachungen, die eine baldige und vergleichsweise
einfache Implementierung erwarten lassen. So erscheint es realistisch, dass bis 2020 ver-
schiedene Einsätze von AMOD in begrenztem Umfang erfolgen werden.
Derzeit gibt es für das transformative Szenario erste Umsetzungen oder sind in ab-
sehbarer Zeit geplant [24, 39, 40, 41, 42, 43]. Es ist zu erkennen, dass in verschiedenen
Städten für die entsprechenden Einsatzfälle Betriebsbedingungen vorliegen, die zumindest
zunächst einen versuchsweisen Betrieb für AMOD-Systeme ermöglichen. Dabei wird ab-
zuwarten sein, inwieweit Nutzer das Angebot annehmen und es zu einem profitablen Ge-
schäftsmodell kommt. Auch wenn die ersten Umsetzungen eher als erweiterter Versuchs-
betrieb zwischen einer öffentlichen Konzeptvorstellung und einer tatsächlichen kommer-
ziellen Anwendung zu sehen sind, sind diese Umsetzungen bislang der deutlichste Schritt
in Richtung eines Einsatzes höhergradig automatisierter Fahrzeuge. Die beiden anderen
(evolutionären und revolutionären) Szenarien können daraus Erfahrungswerte sowie Um-
setzungspraktiken übernehmen.
Aufgrund grundsätzlich recht positiver Rahmenbedingungen ist zu erwarten, dass ver-
schiedene Stadtverwaltungen und Betreiber von Freizeitparks, Einkaufszentren oder sons-
tigen Großeinrichtungen automatisierte Transportsysteme kurzfristig und punktuell ein-
führen werden. Damit erscheint es auch als sehr wahrscheinlich, dass durch entsprechende
Umsetzungsbeispiele bis zum Ende dieser Dekade bereits recht vielfältige Erfahrungen
bezüglich der Akzeptanz durch Benutzer und andere Verkehrsteilnehmer vorliegen werden.
Dabei kann trotz der Vereinfachungen angesichts des eingeschränkten Einsatzgebiets und
der geringen Fahrgeschwindigkeit auch für das von der Automobilindustrie verfolgte evo-
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung