Page - (000326) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000326) -
Text of the Page - (000326) -
31515.2
Ein Modell des Fahrens
In diesem Beitrag wird an einigen wenigen Beispielen, die nicht vollständig spezifiziert
sind, der Frage nachgegangen, wie sich autonome Fahrzeuge auf typische Verkehrs-
managementanwendungen auswirken. Das sind, nach aufsteigender Komplexität geordnet,
die Simulation einer einzelnen Lichtsignalanlage (Abschn. 15.4), die Simulation einer Kreu-
zung, die von einer adaptiven Lichtsignalanlage gesteuert wird (Abschn. 15.5), die Simulati-
on einer grĂĽnen Welle (Abschn. 15.6) und die Simulation einer ganzen Stadt (Abschn. 15.7).
Ein Teil der hier zu betrachtenden Fragestellungen kann auf Ergebnisse zurĂĽckgreifen,
die das EinfĂĽhren einer intelligenten Abstandsregelung (autonomous intelligent speed
control – AIC) auf den Verkehrsablauf vor allem auf Autobahnen hat [3]. Zu diesem Bereich
gibt es umfangreiche Literatur, die Dissertation von Kersting [3] und Teile des Buches von
Winner et al. [12] geben hier mehr Überblick als in diesem Kapitel möglich ist.
Ein solches AIC-Szenario hat starke Ähnlichkeit zu Use-Case 1 „Interstate Pilot with
Availability through Driver“, und das ist wiederum (aus Sicht des Verkehrsablaufes) ein
Spezialfall von Use-Case 3 „Full Automation with Availability through Driver” (s. Kap. 2
fĂĽr die Definition der Use-Cases). Das ist auch der Use-Case, der in diesem Kapitel die
wichtigste Rolle spielt – wobei es aus Sicht des Verkehrsflusses ziemlich gleichgültig ist,
ob der Fahrer verfügbar ist oder nicht. Die Verfügbarkeit des Fahrers könnte wichtig sein,
wenn der Einfluss von Ausfällen auf den Verkehrsfluss untersucht wird, dieses Thema wird
allerdings in diesem Buch nicht aufgegriffen. Es wĂĽrde eine detaillierte Statistik vor-
aussetzen, wie häufig so etwas passiert und unter welchen Randbedingungen – eine Infor-
mation, die beim derzeitigen Stand der Technik autonomer Fahrzeuge nicht verfĂĽgbar ist.
Die Use-Cases 2 (Valet-Parken) und 4 (Vehicle-on-Demand) spielen in diesem Abschnitt
eine untergeordnete Rolle, der Use-Case 4 ist aus Verkehrsflusssicht allerdings wie Use-
Case 3 zu behandeln. Use-Case 2 wäre interessant, weil er Einfluss hat auf den sogenannten
Parksuchverkehr und damit indirekt auf die Verkehrsnachfrage und somit auch die Ver-
kehrssteuerung beeinflusst, wĂĽrde aber auf der Ebene des Verkehrsmanagements eine
deutlich kompliziertere Vorgehensweise voraussetzen als hier geleistet werden kann – so
bräuchte es eine präzise Quantifizierung des Parksuchverkehrs in einer Stadt. Auch die in
Abschn. 15.7 beschriebene Simulation der Stadt Braunschweig geht davon aus, dass Fahr-
zeuge, die ihr Ziel erreicht haben, immer und sofort einen Parkplatz finden.
15.2 Ein Modell des Fahrens
Modelle, die beschreiben, wie ein Mensch ein Fahrzeug fĂĽhrt, gibt es schon sehr lange [4].
Sehr viele dieser Modelle (für einen Überblick s. [5], [6], [7], [8]) – seit 1950 sind wohl
mehr als 100 Modelle allein fĂĽr den Prozess des Folgens eines vorausfahrenden Fahrzeuges
beschrieben worden – lassen sich ohne Weiteres auch als Modelle für ein autonomes Fahr-
zeug verstehen – wie bereits in Abschn. 15.1 begründet, mit verschiedenen Parametrierun-
gen fĂĽr Mensch bzw. Maschine. Damit wird es konzeptionell recht einfach, auch gemisch-
ten Verkehr zu modellieren und die Auswirkungen auf das gesamte Verkehrssystem zu
quantifizieren.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung