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349Literatur
im Knotenpunktbereich die Separierung aufgehoben wird. Im Knotenpunktbereich
treten damit autonome und von Menschen gesteuerte Fahrzeuge auf allen Fahrstreifen
auf und können jeweils alle Fahrmanöver (autonom, hoch unterstützt oder durch Men-
schen gesteuert) bei einer möglicherweise vorgegebenen niedrigen Geschwindigkeit
durchführen.
2. Innerorts werden insbesondere noch Fragen des Einflusses der sogenannten bedingten
Verträglichkeit zu klären sein. Bedingte Verträglichkeit tritt dann auf, wenn sich kreu-
zende Verkehrsströme an Lichtsignalanlagen gleichzeitig freigegeben werden und
Vorfahrtsregeln eingehalten werden müssen. Dies ist z. B. der Fall bei rechts- oder
linksabbiegenden Fahrzeugströmen, die dem parallel geführten Fußgänger- und Rad-
verkehr Vorrang einräumen müssen. Verschiedenste Lösungsansätze könnten hierfür
interessant sein und sollten einer genaueren Überprüfung unterzogen werden. So
könnte man alle Fahrstreifen der autonomen Fahrzeuge gleichzeitig in einer eigenen
Phase freigeben – die Fahrmanöver der feindlichen Ströme im Knotenpunktbereich
würden von den autonomen Fahrzeugen selbstständig ausgehandelt werden. Alle
anderen Verkehrsteilnehmer würden mit der bereits bestehenden Signalisierung be-
handelt werden. Eine andere Lösungsmöglichkeit wäre die Berücksichtigung der Rad-
fahrer und Fußgänger in einer eigenen Phase mit „Rundumgrün“ bei gleichzeitiger
Vermeidung von bedingt verträglichen Kfz-Strömen durch eine geeignete Phasen-
struktur.
16.4.3 Kooperation
Für Szenarien wie das zuletzt angesprochene des sich selbst organisierenden kreuzenden
Verkehrs benötigen autonome Fahrzeuge die Fähigkeit der Kommunikation untereinander
und mit der Infrastruktur. Die Antizipation von Manövern von vorausfahrenden Fahr-
zeugen und die davon abhängenden Reaktionen in der darauffolgenden Kolonne wirken
sich auf komfortable und damit akzeptable Beschleunigungswerte und ein komfortables
Fahrgefühl aus. Deshalb wird den bereits heute entwickelten Technologien zur Kommuni-
kation und Kooperation bei der Entwicklung des autonomen Fahrens eine wichtige Rolle
zukommen.
Literatur
1. Brilon, W. ; Regler, M., Geistefeldt, J (2005): Zufallscharakter der Kapazität von Autobahnen
und praktische Konsequenzen. Straßenverkehrstechnik, Heft 3 (Teil 1) und Heft 4 (Teil 2)
2. Friedrich, B.; Kemper, C. (2006): Akzeptanz von Harmonisierungsmaßnahmen im Zuge von
Verkehrsbeeinflussungsanlagen. Schlussbericht für die Niedersächsische Landesbehörde für
Straßenbau und Verkehr, November 2006, Hannover
3. FGSV – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (2001): Handbuch für die
Bemessung von Straßenverkehrsanlagen (HBS), S. 3–19
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung