Page - (000386) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000386) -
Text of the Page - (000386) -
37317.6
Fazit und Ausblick
reits vor Entwicklungsbeginn der mögliche Nutzen abgeschätzt werden, und der Automo-
bilhersteller kommt mit der Analyse und Auswertung von Verkehrsunfällen zusätzlich
seiner Produktbeobachtungspflicht nach.
Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Analyse von Verkehrsunfällen heute nachweisbar,
dass die Automatisierungen von Fahrfunktionen in den Kategorien „driver only“ über
„assistiert“ bis zum „teilautomatisierten“ Fahren als Schlüsseltechnologie zur Milderung
der Folgen menschlichen Versagens beitragen.
Prognosen zum Sicherheitspotenzial „hoch- und vollautomatisierter“ Fahrzeuge auf der
Basis von Verkehrsunfalldaten liefern lediglich Ergebnisse, die auf zahlreichen Annahmen
basieren. Dies gilt in besonderer Weise, wenn sie permanent alle Fahraufgaben im StraĂźen-
verkehr ohne Fahrerüberwachung übernehmen. Einen Ausblick auf den möglichen Sicher-
heitseinfluss vollautomatisierter Fahrzeuge gibt eine erste Abschätzung der Daimler-
Unfallforschung, die auf mehreren Expertenannahmen basiert. Gemäß dieser Abschätzung
lassen sich die Unfallzahlen bis zum Jahr 2070 – unter Annahme einer erfolgreichen Markt-
durchdringung – annähernd vollständig reduzieren. Allerdings wurden ausschließlich
durch Pkw ausgelöste Unfälle unter Ausschluss physikalischer Grenzen bzw. möglicher
technischer Mängel betrachtet. Somit basiert diese Abschätzung auf einigen Annahmen,
die zukĂĽnftig noch im Detail zu ver feinern und zu validieren sind.
Technische Herausforderungen erschweren derzeit valide Prognosen zum Sicherheits-
potenzial. Insbesondere die Wahrnehmung und Interpretation komplexer Verkehrs-
situationen stellt Entwicklungsingenieure bislang vor erhebliche technische Heraus-
forderungen. Weiter hin wird die Leistungsfähigkeit des Menschen häufig unterschätzt.
Fahrerassistenzsysteme gleichen im Wesentlichen anhand von Erkenntnissen aus Ver-
kehrsunfallanalysen die Schwächen menschlicher Fähigkeiten aus. Sie können die Sicher-
heit in Routinefahrsituationen mit menschlicher Überwachung erhöhen. Dagegen müssen
fahrerlose Fahrzeuge zunächst die Fahrfähigkeiten des aufmerksamen menschlichen
Fahrers erreichen, um anschließend die Fähigkeiten des Menschen für eine weitere Reduk-
tion der Verkehrsunfallzahlen zu ĂĽbertreffen. Erst wenn diese technischen HĂĽrden ge-
nommen sind, ist eine großflächige Einführung marktreifer vollautomatischer Fahrzeuge
zu er warten.
Zusammengefasst beschränken folgende Aspekte die Aussagefähigkeit der Prognosen
zum Sicherheitspotenzial der Automatisierung von „driver only“- bis zu vollautomatisier-
ten Fahrzeugen:
‡ Bislang ausgewiesene Sicherheitspotenziale von „driver only“ bis hin zu fortgeschrit-
tenen Automatisierungsgraden sind je nach Herkunft der verwendeten Daten mit
Bedacht zu beurteilen und zu verwerten. Die Aussagekraft und Prognosefähigkeit des
Datenmaterials sind jeweils abhängig von der Auswahl und Bewertung der Merkmale.
‡ Unterschiedliche Herangehensweisen in Potenzialbewertungen sind unter fachkun-
diger Betrachtung zu vergleichen. Ein Wirkfeld zeigt im Idealfall eine maximal
mögliche Vermeidbarkeit von Verkehrsunfällen. Im Gegensatz dazu steht der tatsäch-
lich ausweisbare Nutzen, der deutlich geringer ausfällt.
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung