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633Literatur
Zur Großserienvermarktung sicherer automatisierter Fahrzeugtechnologien – die sich
zudem in einem vielschichtigen Gesamtsystem wiederfinden – sind interdiszi
plinär abge-
stimmte Prozesse erforderlich. Eine belastbare Beurteilung der Serienreife verlangt nach
neuen harmonisierten Methoden für vergleichbare Sicherheitsnachweise, beispielsweise
mittels Simulation relevanter Szenarien aus der Verknüpfung weltweit verfügbarer Unfall-
daten (s. Kap. 17). Dies gilt ebenfalls für die Er
füllung gesetz
licher bzw. zulassungsrecht-
licher Regelungen, bei der Ermittlung neuer Möglichkeiten zur Risikoverteilung (vgl. [38])
und bei der Schaffung von neuen Entschädigungsein
richtungen. Zum Nachweis der Sorg-
faltspflicht im bestehenden Qualitätsmanagement
system empfiehlt sich die Weiterentwick-
lung erfahrungsbasierter, international gültiger Richtlinien, Werkzeuge, Methodenbe-
schreibungen sowie Leitfäden mit Checklisten, die auf dem ADAS Code of Practice auf-
bauen [5, 39] und den prakti zierten Stand von Wissenschaft und Technik innerhalb der
technischen Eignung und wirtschaftlichen Zumutbarkeit repräsentieren und dokumen-
tieren. Der ADAS Code of Practice wurde zur sicheren Inverkehrbringung künftiger Ad-
vanced Driver Assistance Systems mit aktiver Unterstützung der primären Fahraufgabe
(Quer-, Längsführung in
klusive vollautomatisierter Notbremseingriffe) er
arbeitet und 2009
über die European Automobile Manufacturers Associa tion (ACEA) veröffentlicht. Er kor-
respondiert mit der ISO 26262 zu den Anforderungen der funktionalen Sicherheit von
elektrischen, elektro
nischen und programmierbaren Systemen. Als Entwicklungsleitlinie
enthält er auch Empfehlungen für die Analyse und Beurteilung komplexer Mensch-
Maschine-Interak
tionen, wie sie im normalen Gebrauchsfall sowie im Fehlerfall auftreten
können [5, 6]. Bei unerwarteten Fehlfunktionen, die zukünftig zu größeren Schäden führen
können, sind Produkt
experten aus der Entwicklung in die Ursachenforschung einzube-
ziehen und an zuhören. Sachverständige, die nicht direkt in die Entwicklung eingebunden
sind, sollten sich die Fachkompetenz für eine fundierte Begutachtung neuer Technologien
vor Gericht aneignen.
Automatisiertes Fahren erfordert in der Entwicklung vernetztes, fachübergreifendes
Denken mit einem flexiblen und zugleich strukturierten Handlungsraum. Die Entwicklung
erschließt bislang eine unbekannte Welt mit vielen Unsicherheiten, die Vorbehalte und
Widerstände verursachen können. Für eine erfolgreiche Einführung serienreifer Fahrzeuge
bilden in vivo gesammelte Erkenntnisse aus Vergangenheit und Gegenwart die entschei-
dende Voraussetzung. So wird die Serienreife trotz technischer, rechtlicher und ökonomi-
scher Risiken zum Nutzen der Gesellschaft möglich.
Literatur
1. Bengler K, Flemisch F (2011) Von H-Mode zur kooperativen Fahrzeugführung – Grundlegende
Ergonomische Fragestellungen, 5. Darmstädter Kolloquium: kooperativ oder autonom?
Darmstadt
2. Bengler K, Dietmayer K, Färber B, Maurer M, Stiller C, Winner H (2014) Three Decades of
Driver Assistance Systems: Review and Future Perspectives, IEEE Intelligent Transportation
System Magazine, ISSN 1939-1390, Volume 6, Issue 4, S. 6–22
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung