Page - (000722) - in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Image of the Page - (000722) -
Text of the Page - (000722) -
Vom (Mit-)Fahren: autonomes Fahren und
Autonutzung700
zwei unterschiedliche Szenarien – einmal zum „Vollautomaten mit Verfügbarkeitsfahrer“
und einmal zum „Vehicle-on-Demand“, zu denen pro Gruppe jeweils eines vorgelegt und
im Rahmen einer gruppengestĂĽtzten Introspektion verwendet wurde. Ziel einer solchen
Introspektion ist es, Prozesse der „inneren Beobachtung“ explizit zu machen, also die
Konzentration und Aufmerksamkeit bewusst auf innere Vorgänge zu lenken ([52], S. 493).
Unter Leitung einer Forschungsperson befassen sich Teilnehmende einer Gruppe mit dem
jeweiligen Forschungsgegenstand, dokumentieren dabei unabhängig voneinander ihre in-
neren Prozesse und Erlebnisse und teilen anschlieĂźend die durch Selbstbeobachtung ge-
wonnenen Erfahrungen mit der Gruppe, ohne dass Wertungen und Kommentare vorgenom-
men werden. In einem zweiten Durchlauf können die teilnehmenden Personen – durch die
gehörten Erlebnisse zu weiteren Ausführungen animiert – ihre Berichte ergänzen. Zusam-
men mit dem Szenario erhielten die Teilnehmenden folgende Aufforderung:
Sie erhalten nun eine kurze Szenario-Beschreibung zum Autoverkehr der Zukunft – also eine
kleine Geschichte zum Thema, wie das Autofahren von morgen aussehen könnte. Bitte lesen
Sie sich die Geschichte durch. Versuchen Sie, sich in das Gelesene hineinzuversetzen und
denken Sie an Ihre Gefühle, Fantasien und Empfindungen – seien Sie offen für alles, was
während der Auseinandersetzung mit dem Thema in Ihnen vorgeht!
Bitte machen Sie sich Notizen zu Ihrem Erleben.
Die Notizen wurden als sogenannter „Introspektionsbericht“ anschließend von den Teil-
nehmenden jeweils reihum vorgetragen. Die Berichte wurden später transkribiert und mit-
tels Qualitativer Heuristik ausgewertet. Anders als die oftmals unbewusst ablaufenden
Alltagsentdeckungsverfahren ist die Qualitative Heuristik „regelgeleitet und mit einer
Methodologie versehen“ und als systematisiertes und intersubjektiv nachvollziehbares Such-
und Findeverfahren ausgestaltet ([53], S. 226). Der Methode liegen vier Regeln zugrunde:
1. Offenheit der Forschungsperson/ des Subjekts,
2. Offenheit des Forschungsgegenstandes/ des Objekts,
3. maximale strukturelle Variation der Perspektiven,
4. Analyse auf Gemeinsamkeiten.
DarĂĽber hinaus wendet die Qualitative Heuristik das sogenannte Dialogprinzip an: An
einen Gegenstand (in der Untersuchung die transkribierten Introspektionsberichte) werden
Fragen gestellt, auf die dieser „Antworten“ gibt – danach werden, aus einer anderen
Perspektive bzw. einem weiteren Blickwinkel, neue Fragen gestellt etc. Forschungsgegen-
stand und Forschungsperson stehen somit in enger dialogischer Verbindung, und auch die
strenge Zweiteilung zwischen (Forschungs-)Subjekt und (Forschungs-)Objekt wird auf
diese Weise aufgeweicht.
Im Anschluss an die Erstellung des Introspektionsberichtes wurde die offene Gruppen-
diskussion gestartet, die sich an impliziten Handlungsmustern (vgl. [54]) zu Autonutzung
Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte
Gefördert durch die Daimler und Benz Stiftung