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188 JörgRadtkeundJürgenDaub
Bereits zumgegenwärtigenZeitpunktkannkonstatiertwerden,dassdie
VerkehrsinfrastrukturimländlichenRaumvoreinemerheblichenstrukturel-
lenUmbruchsteht.EinePersonenverkehrsbefragunginBaden-Württemberg
fasst folgendesBildder regionalenDisparitäten zusammen: »IndenMetro-
polen undGroßstädten vergeben über 60 Prozent der Bevölkerung für den
ÖPNVeingutodersehrgut.DieseguteBewertungsinktallerdingsstetigmit
steigenderEntfernungvondenBallungsräumen.Inkleinstädtisch-dörflichen
Landregionenbewertensonurnoch23ProzentdenÖPNVmitgutodersehr
gut« (VMBW2019:42).DassinkendeAngebotdesÖPNVmachtdie ländliche
Mobilitätzunehmendunflexibel.SowirdetwaaufsinkendeSchülerzahlenals
möglichesProblemfürdasMangelangebotanÖPNVhingewiesen (Baumeis-
ter/Meier-Berberich 2018). ZudemwirddieBereitstellung vonVerkehrsmit-
telnimmerteurer.AuchsinddieöffentlichenVerkehrsmitteldurchHaltestel-
lenbindungunattraktiv für den ländlichenPendler*innen.Dies führt in der
Folge etwa zu starkenmobilitätsstrukturellen Problemen für Senior*innen,
diezunehmendaufdenÖPNVangewiesensind, jedocheinenAngebotsrück-
gang erleben (Eggs 2019; VMBW2019). In der politischenDebatte umdie
VerkehrswendewirdhingegeneineStärkungdesÖPNVbetont,geradeauch
bezogen auf ländliche Räume (Zurmöglichen Transformation des Verkehrs
imländlichenRaumsieheauchdenBeitragvonBaaschindiesemBand).Die
Regiopolesind indieserHinsichtgespalteneRäume,dennsieverbindenden
städtischenmit dem ländlich geprägten suburbanen Raum.Der städtische
Raum ist hier nichtmit demderMetropolen vergleichbar, da hier dasNetz
desÖPNVzwar imVergleichzumUmlanddichter ist, jedochweithinterden
größeren Städten zurückbleibt.Die Regiopol-Städteweisen daher eine ho-
he FrequenzdesAutoverkehrs sowohl bezogen auf den innerstädtischen als
auchaufdenPendelverkehrauf.DiesgehtHandinHandmitderAusrichtung
derVerkehrsinfrastrukturaufzahlreicheVerkehrsachsen,diefürdenRadver-
kehr unattraktiv oder überhaupt nicht nutzbar sind.Es scheint daher nicht
übertriebenzu sein,dieseSiedlungsräumealsBallungsräumedes Individu-
alverkehrszucharakterisieren.
Übergreifend betrachtet stellt die berufsbedingteMobilität immer noch
den größtenAnteil der Verkehrsteilnahmedar.Dabei spielen die räumliche
unddie zeitlicheAuslastung eine großeRolle.ZudenStoßzeiten kommtes
regelmäßig zuVerkehrsüberlastungen. Für Berufstätige stellt die berufsbe-
dingteMobilitätdieHälftederwöchentlichenFahrtzeitendar.DieAbbildung
1zeigtdieStreckeinKilometern,dieein*ePendler*inimDurchschnittbezo-
genaufeineräumlicheKlassifizierungzurückgelegthat–also inderMetro-
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Title
- Baustelle Elektromobilität
- Subtitle
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Author
- Achim Brunnengräber
- Editor
- Tobias Haas
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Category
- Technik