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Verkehrswende imsuburbanenRaum 199
zu beobachten, es kommt häufig zu Problemen bei der Betriebsführung
sowie zumituntermassiv ansteigendenKosten, die letztlichwieder auf die
öffentlicheHandzurückfallen.
Grundsätzlich hat sich imProjekt REMONETgezeigt, dass imHinblick
auf eine Veränderung derMobilität neue Ansätze für städtische Planungs-
prozesse erforderlich sind. Ein erster Schritt würde darin bestehen,Mobi-
lität als übergreifendeAufgabe in allenPlanungsbereichen zu verstehen.So
wäreesnotwendig,dassbei allenstädtischenundregionalenEntwicklungs-
vorhabenjeweilsdieAuswirkungenderMobilitätmitbedachtundmitgeplant
werden.GeradedieBegründungderPfadabhängigkeitinvielenMobilitätsbe-
reichenbedarf einerweitgehendenReversibilität indenPlanungsverfahren.
Planungensolltennichtmehralleinnachtechnokratisch-rationalenMustern
erfolgen. Planungsprozesse sind in hochkomplexenundnicht-linear entwi-
ckelndenBereichen verortet und bedürfen deshalb einer anderenHerange-
hensweise (Willke 1998; Dörner 2016). Da eine einfache bereichsspezifische
Logik in komplexenProzessennichtmehr greift, ist es erforderlich, stärker
systemtheoretischeundsystemischeBedingungenvonPlanungzubedenken
unddieEigendynamikkomplexerSystemezuberücksichtigen (Dörner2010:
76).VoneinemkomplexenSystemsprichtmandann,wenndieunterschied-
lichenVariablennichtunabhängigvoneinandersind–Veränderungenhaben
seltennur eineUrsacheundauchseltennur eineWirkung (Dörner2010: 72).
Hieraus folgt, dass Planungsprozesse hinsichtlich der Veränderung von
Mobilität inStadtregioneneinedifferenzierteHerangehensweisebenötigen.
Es sindzuallererstmultifokalePerspektivenzu integrieren,diederKomple-
xität desGeschehens undderRealität gerechtwerden.Bisherige Planungs-
weisenarbeitenimmernochweitgehendmiteinermonofokalenPerspektive,
die oftmals einer Ressortlogik geschuldet ist. IhreUmsetzungslogik beruht
einerseitsauf juristischenBedingungen,andererseitsaufdivergentenpoliti-
schenZielvorstellungenunddarüberhinauszudemaufeinerEffizienzlogik,
welchediesebeidenBedingungennachMaßgabeökonomischerVorgabenzu
integrierenversucht.
DiePlanung inSystemenundEntwicklungvonSystemenwieder städti-
schenMobilität bedarf infolgedessen einer differenziertenVorgehensweise,
welchestärkerberücksichtigenmüsste,dasseinMethodismus (Wiederholen
einmal erfolgreicher Anwendung von Handlungsweisen) vermieden wird.
Problembereiche sollten nicht isoliert betrachtet werden, Zielfestlegungen
über Ressortgrenzen hinaus vorgenommen- und unerwartete Wirkungen
nicht ignoriert werden (managing the unexpected). Schließlichmüssen im
Baustelle Elektromobilität
Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Title
- Baustelle Elektromobilität
- Subtitle
- Sozialwissenschaftliche Perspektiven auf die Transformation der (Auto-)Mobilität
- Author
- Achim Brunnengräber
- Editor
- Tobias Haas
- Publisher
- transcript Verlag
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-8394-5165-6
- Size
- 14.8 x 22.5 cm
- Pages
- 450
- Keywords
- Auto, Elektromobilität, Transformation, Rohstoffpolitik, Wertschöpfungsketten, Verkehrswende, Bewegung, Autonomes Fahren
- Category
- Technik