Page - 308 - in Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
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ZNZ Die erste Ersteigung des Großüenedlgers
Als wir eben von Hausstätter Abschied nahmen, kamen als die
ersten nach uns zwei Pinzgauer, welche den Erinnerungspflock trugen,
auf der Spitze an.
Im Hinabsteigen begegneten wir dann denjenigen nus unserer
Gesellschaft, welche noch den höchsten Punkt, dem sie doch so nahe
waren, erreichen wollten, wir trafen jedoch auch manche an, die von
Unwohlsein befallen, von der Vollführung ihres Vorhabens abgestanden
und schon auf dem Rückzüge begriffen waren.
Das Abwärtssteigen selbst war die größte Beschwerde auf unserer
Bergfahrt. Denn man fank mit jedem Tritte bis über die Knie in den von
der Sonne erweichten Schnee, was durch etwa 2 V2 Stunden fortgesetzt
im höchsten Grade ermüdend wurde. Aber auch die Gefahr der Gletscher-
klüfte war nun größer und ich brach wirklich zweimal mit einem Fuße
bis zum Bauche in eine Kluft ein, konnte aber beidemale in Folge
des Widerstandes, welchen der Schnee doch noch immer leistete, mit
dem andern Fuße glücklich festen Boden gewinnen.
Als ich wieder am Keeskar, dort, wo wir Morgens den Gletscher
betraten, anlangte, traf ich daselbst diejenigen an, welche am meisten von
der Gletscherluft gelitten hatten. Doch hatte sie bei keinem ernstliche
üble Folgen nach sich^.gezoge»^ und mit herzlicher Freude sahen wir
nach und nach alle Uebrigen auf der Rückkehr von der Spitze über
den Gletscher herabkommen und bei uns auf dem Sammelplätze ein-
treffen. Hier vernahm ich, daß die Fahne, welche nnn zur Erinnerung
an das Gelingen unseres Zuges in das ständische Museum zu Salz-
burg gesandt werden sollte, auf dem Venediger geflattert hatte, und daß
der Pflock dort aufgestellt worden war, wo die Spitze noch nicht über-
hängt, daher dem Abstürze weniger ausgesetzt ist. Lasier hatte die
Thermometenncssung vorgenommen und sie zeigte unterhalb der Spitze,
auf einem gegen den Windanfall geschützten Pnnkte, — 3° N., so daß
man annehmen kann, daß auf der dem Winde ausgesetzten Spitze selbst
— 5° bis — 6° R. waren.
Nach einiger Rast traten wir den Rückzug nach der Alpe an.
Wir schlugen dazu nicht den nämlichen Weg wie am Morgen ein,
sondern folgten jetzt der Leitung desselben Försters Paul Nohregger,
Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Title
- Berg- und Gletscher-Reisen in den österreichischen Hochalpen
- Author
- Anton von Ruthner
- Publisher
- Carl Gerold's Sohn
- Location
- Wien
- Date
- 1864
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 11.8 x 19.2 cm
- Pages
- 440
- Keywords
- Alpen, Gebirge, Natur
- Categories
- Geographie, Land und Leute
- Geschichte Vor 1918