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Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
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Page - 185 - in Bildspuren – Sprachspuren - Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie

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Beobachtungen zum Slowenischen | 185 Auch die Aufforderung im nächsten Satz, am 22. d. M. zu einer Vergnügungsver- anstaltung nach Šentjur [ob Južni železnici/St. Georgen an der Südbahn] zu kom- men, spricht für das heitere Gemüt des Schreibers, der noch dazu in sehr dezidier- ter Form und umgangssprachlich diese Bitte bzw. Aufforderung formuliert: „Na 22 t.m. je v Šent Jurju veselica, da prideš.“ 'Am 22. d. M. ist in St. Georgen ein Vergnügungsfest, dass du kommst.' Der Aufdrucktext der Karte allein birgt Be- sonderheiten: „Dopisnice“ ('Korrespondenzkarte') wird in der tschechischen Form vorgegeben, „Pozdrav od Sv. Marjete“ (od wurde damals in Anlehnung an dt. von häufig für das heutige iz verwendet) lässt uns im Dunkeln, um welchen der zahl- reichen nach der Heiligen Margarethe benannten Orte es sich handelt, und nur die Angabe zum Verleger – „Fr. Lazmik Rimske, Teplice“, diesmal mit einem Inter- punktionszeichen zu viel (zwischen den Teilen des Ortsnames bzw. nach rechts verrückt) und ebenfalls mit tschechischem Lautreflex (teplice für toplice), verrät uns, dass es sich um Šmarjeta pri Rimskih toplicah/St. Margarethen bei Römerbad handelt. Offensichtlich reichte die wenig spezifizierte Angabe „od sv. Marjete“ für die regional begrenzten Bedürfnisse der damaligen Zeit aus, um den Ort er- kennbar zu machen: Menschen aus der Umgebung von Laško/Markt Tüffer kann- ten nur ein Sv. Marjeta bzw. St. Margarethen. Zum Abschluss dieses Sprachporträts der Savinja/Sann-Gegend sei eine Karte zitiert, die zunächst ein Rätsel aufgab, das dank der Ermittlung einer weiteren Karte aus derselben Feder jedoch als gelöst angesehen werden kann. Es handelt sich um eine Grußbotschaft, welche 1906 aus Laško/Markt Tüffer (damals: Laški trg) nach Verd pri Vrhniki/Werdenberg bei Oberlaibach von einer gewissen Vera, nach Schrift und Sprache zu schließen noch einem Kind, abgesandt wurde: „Dragi Vladko! | Za Tvoj jutrajšni | rojstni dan, Ti vo- | šim vse dobro. Ju- | tri zvečer se vidi- | va. Ti že nekaj pri- | nesem. Pridite nas | čakat na kolodvor. | Te srčno pozdrav- | lja in poljublja | kakor | tudi ma | mata. Vera “ [Übersetzung: 'Lieber Vladko! Zu deinem morgigen Geburtstag wünsche ich dir alles Gute. Morgen Abend sehen wir uns. Ich bringe dir schon etwas. Komm uns zum Bahnhof abholen. Herzlich grüßt und küsst dich, wie auch die Mama – Vera.']
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Bildspuren – Sprachspuren Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Title
Bildspuren – Sprachspuren
Subtitle
Postkarten als Quellen zur Mehrsprachigkeit in der späten Habsburger Monarchie
Authors
Karin Almasy
Heinrich Pfandl
Editor
Eva Tropper
Publisher
transcript Verlag
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-8394-4998-1
Size
14.8 x 22.5 cm
Pages
346
Keywords
Postkarte, Mehrsprachigkeit, Habsburger Monarchie, Alltagsgeschichte, Kurznachrichtenträger, Alltagskommunikation, Fotografie, Untersteiermark, Mikrogeschichte, Eisenbahn, Tourismus
Categories
Geschichte Historische Aufzeichnungen
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