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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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Page - 149 - in Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert

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149 das BiBElcompEndium dEs pEtrus Von poitiErs tische Winddiagramme aus dem 11. Jahrhundert, die bereits dieselben Aufschriften – korrekt wiedergegeben – und denselben Aufbau zeigen (Dijon, Bibliothèque mu- nicipale, Ms. 448, fol. 75r; Krakau, Biblioteka Jagiellońska, Cod. Berl. 939 [vormals Maihingen, 1, 2, IV, 3], fol. 2r).25 In Linz wurde die Scheibe allerdings nicht in klar voneinander abgetrennte Sektoren unterteilt, und die Namen in den Kreisringen definieren acht statt zwölf Achsen.26 Zudem wurden die althochdeutschen Bezeich- nungen der Himmelsrichtungen im breitesten Kreisring der Windrosen durch die Medaillons der vier Hauptwinde ersetzt. Somit verbindet die Linzer Miniatur die Grundstruktur der Winddiagramme aus dem 11. Jahrhundert mit einer ähnlichen Komposition, wie sie etwa dem Annusbild im Fuldaer Sakramentar von ca. 97527 oder dem Deckenfresko im zweiten Joch der Krypta der Kathedrale von Anagni zugrunde liegt, das in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert wird und den von den vier Lebensaltern umgebenen Menschen darstellt.28 Schließlich wurde das Weltdiagramm in Cod. 490 durch die vier großen im Quadrat angeordneten Be- satzmedaillons mit den Nebenwinden ergänzt. Mit diesen Hinweisen ist die Genese der Linzer Miniatur freilich bei Weitem nicht ausreichend erklärt; welche genauen Vorlagen und Quellen hier kompiliert wurden, bleibt zu untersuchen. Als Einleitungsbild zum Compendium erfüllt die Linzer Miniatur eine mehrfa- che Funktion.29 Erstens ist sie als Diagramm des Raumes der Welt zu verstehen, das der ebenfalls diagrammatischen Zusammenfassung der Weltgeschichte ergänzend gegenübergestellt ist,30 was zugleich die Bedeutung der genealogischen Ketten als Zeitschema unterstreicht. Zweitens kann das Kosmosbild, das der mit den Ureltern beginnenden Genealogie Christi vorangestellt ist, als Darstellung der Schöpfung gesehen werden, mit der die Weltgeschichte ihren Anfang nimmt. Und drittens wird darin die Vorstellung von der Erlösung der Welt durch Christus verbildlicht (siehe oben). Da auch die weiteren Diagramme, die dem Compendium in Cod. 490 bei- gegeben wurden (siehe im Folgenden), den soteriologischen Gedanken betonen,31 25 Siehe das Volldigitalisat der Handschrift in Dijon unter: http://patrimoine.bm-dijon. fr/pleade/img-viewer/MS00448/viewer.html; Angaben zur Handschrift suchbar unter: http://patrimoine.bm-dijon.fr/pleade/subset.html?name=sub-fonds; die Darstellung besprochen bei Obrist, Wind Diagrams (zit. Anm. 16), S. 51 f. (mit Abb. 11). – Zur Windrose in der Krakauer Handschrift siehe Fabio Troncarelli: Boethiana aetas. Modelli grafici e fortuna manoscritta della „Consolatio philosophiae“ tra IX e XII secolo (Biblio- teca di scrittura e civiltà 2). Alessandria 1987, S. 202 und passim, Taf. XV b; Erwähnung auch bei Obrist, Wind Diagrams (zit. Anm. 16), S. 52, Anm. 88. 26 Dies kann auch zur fehlerhaften Anordnung der Legenden beigetragen haben (siehe Anm. 22). 27 Göttingen, Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek (SUB), 2° Cod. Ms. theol. 231 Cim, f. 250v. Auf die Ähnlichkeit dieser Miniatur mit Linz hat auch Gormans, Geometria und Ars memorativa (zit. Anm. 2), S. 140 hingewiesen. 28 Zum Fresko siehe zum Beispiel Johannes Zahlten: Creatio mundi. Darstellungen der sechs Schöpfungstage und naturwissenschaftliches Weltbild im Mittelalter. Stuttgart 1979, Abb. 271. 29 Als Windrose oder „Windtafel“ (Raff, Windpersonifikationen [zit. Anm. 2], S. 150) im wissenschaftlichen Sinn ist die Miniatur nicht in erster Linie zu sehen, obwohl ihr eine solche zugrunde liegt (siehe oben). Letztlich spielt es daher auch keine wesentliche Rolle, ob die Darstellung akkurat ist oder nicht; es steht ihr Symbolgehalt im Vordergrund. 30 Siehe bereits Kroos, Zeit der Staufer (zit. Anm. 2), S. 575. 31 Siehe Hranitzky, Diplomarbeit (zit. Anm. 3), S. 60.
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Title
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Author
Christine Beier
Editor
Michaela Schuller-Juckes
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Size
18.5 x 27.8 cm
Pages
290
Categories
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