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wiesen.41 Bei dem hier vorgestellten Fallbeispiel scheinen allerdings – ähnlich wie
bei den Urkunden aus St. Niklas − die Stadt Wien und dort die Höfe der Zis-
terzienser eine vermittelnde Rolle einzunehmen. Darauf deutet etwa das zuletzt
genannte Schriftstück hin, das am 3. November 1283 in Wien in domo fratrum de
Zwetil, also im Zwettler Hof, ausgestellt wurde, um eine Streitsache zwischen Abt
Ebro sowie dem Konvent von Zwettl und dem Wiener Bürger Albero Longus zu
schlichten (Zwettl, Stiftsarchiv, Urk. 1283 XI 03)42. Der in der Urkunde erwähn-
te Stadthof des Klosters in Wien lag bis 1304 direkt hinter der Hauptpfarrkirche
St. Stephan,43 also in unmittelbarer Nähe zum Heiligenkreuzer Hof und dem Stadt-
haus des Zisterzienserinnenklosters St. Niklas in der Singerstraße.44 Diese räumli-
chen Gegebenheiten im ohnehin engen Stadtgebiet scheinen die Kommunikation
zwischen den einzelnen Gründungen wesentlich begünstigt zu haben.45 Schließlich
stellte bereits Christina Lutter fest, dass die Stadthöfe der zisterziensischen Klöster
in Wien wie Nahtstellen funktionierten, die „Personen und Gruppen in Stadt und
Umland, im Umfeld des Landesfürsten und in den geistlichen Gemeinschaften
miteinander verbanden“.46 So traten beispielsweise Mitglieder der bereits erwähn-
ten Familie der Paltrame, die enge Beziehungen zum Stift Heiligenkreuz und dem
Zisterzienserinnenkloster St. Niklas unterhielten, auch in Zwettler Urkunden von
1271 als Zeugen auf und waren an Besitztransaktionen des Stifts in Wien beteiligt.47
Ebenso wie sich die Nachbarschaft der genannten Zisterzen zueinander an den
41 Siehe dazu zum Beispiel Joachim Rössl: Zwettl – Heiligenkreuz. In: Die Kuenringer.
Das Werden des Landes Niederösterreich. Katalog des Niederösterreichischen Landes-
museums NF 110. Wien 1981, S. 241–243, und Andreas Fingernagel: Über die Verbin-
dungen einiger Heiligenkreuzer und Zwettler Handschriften des 12. Jahrhunderts. In:
Kamptal-Studien 5 (1985), S. 1–20. − Aktuell forschen Alois Haidinger und Franz Lack-
ner zu den Beziehungen zwischen Heiligenkreuz und Zwettl. Siehe ihren „Projektbe-
richt – Beziehungen zwischen den Skriptorien der Stifte Heiligenkreuz und Zwettl bis
Anfang 13. Jh.“ auf der Website www.scriptoria.at.
42 Die Streitsache entschieden Bernhard von Prambach, Archidiakon diesseits der Do-
nau und Pfarrer von Wien, und Ritter Rimboto, Stadtrichter in Wien. Siehe Winner
/ Herold, Urkunden (zit. Anm. 15), Nr. 262; Das „Stiftungen-Buch“ (zit. Anm. 38),
S. 326 f.; Benedict Hammerl: Regesten aus dem Archive des Cistercienserstiftes Zwettl.
In: Regesten aus in- und ausländischen Archiven mit Ausnahme des Archives der Stadt
Wien. Bd. 1, Wien 1895 (Quellen zur Geschichte der Stadt Wien, 1. Abt.), S. 143–180,
hier S. 150 f., Nr. 735. – Zum Hintergrund der Rechtssache, der der Eintritt zweier
Söhne des Wiener Bürgers in das Kloster Zwettl vorausgegangen war, siehe auch Karl
Lechner: Das Stift Zwettl in seinen Beziehungen zur Stadt Wien. In: Festschrift zum
800-Jahrgedächtnis des Todes Bernhards von Clairvaux, hg. von der Österreichischen
Cistercienserkongregation vom Heiligsten Herzen Jesu, Wien / München 1953 (Öster-
reichische Beiträge zur Geschichte des Cistercienserordens), S. 211–231, hier S. 217.
43 Lutter, Zisterzienser und Zisterzienserinnen in Wien (zit. Anm. 37), S. 156 f. – Zum
Zwettler Haus bzw. Hof vgl. zum Beispiel Lechner, Das Stift Zwettl (zit. Anm. 42),
S. 215 f. und 219 ff.
44 Vgl. Lutter, Zisterzienser und Zisterzienserinnen in Wien (zit. Anm. 37), S. 169.
45 Herbert Krammer spricht von einem regelrechten „Zisterzienser-Viertel“, das sich im
13. Jahrhundert in Wien innerhalb des Stubenviertels gebildet hatte. Siehe Krammer,
Die Zisterzienserinnen von St. Niklas (zit. Anm. 33), S. 30.
46 Lutter, Zisterzienser und Zisterzienserinnen in Wien (zit. Anm. 37), S. 165 f.
47 Lechner, Das Stift Zwettl (zit. Anm. 42), S. 216 f. und 218 f. sowie Lutter, Zisterzienser
und Zisterzienserinnen in Wien (zit. Anm. 37), S. 158 und 160.
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Title
- Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
- Author
- Christine Beier
- Editor
- Michaela Schuller-Juckes
- Publisher
- Böhlau Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY 4.0
- ISBN
- 978-3-205-21193-8
- Size
- 18.5 x 27.8 cm
- Pages
- 290
- Categories
- Geschichte Chroniken