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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
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216 daVid Ganz legte, dass ein Ende vor dem Körper herabfiel.38 Eine weitere Reminiszenz des Loros kann man in dem Kleidungsstück mit auffälliger Rautenmusterung erkennen, das Gabriel über dem linken Arm trägt. Die „Aufspaltung“ des Loros, aber auch das Fehlen des in Byzanz üblichen Diadems zeigen, dass der Maler nicht direkt nach Kunstwerken griechischer Provenienz gearbeitet hat – also Elfenbeinen, Hand- schriften oder Emails, wie sie nach der Plünderung Konstantinopels durch das la- teinische Kreuzfahrerheer im Jahr 1204 in großen Zahlen in den Westen gelangten. Was der Maler des Psalters anstrebte, war kein Zitat, sondern der Effekt einer östli- chen Note, die er als besonders angemessen für das Thema einer Versammlung von Vertretern unterschiedlicher Engelschöre empfand. Ähnlich ging er dann auch bei dem Marienbild auf dem Rückdeckel vor, das an den frontal thronenden Madon- nentypus der „Hypselotera“ in der byzantinischen Kunst angelehnt ist (Abb. 14).39 Einladung zum Gebet: Der Einband, das Te Deum und die Allerheiligenlitanei Mit dieser Sichtung von biblischen Referenzen und bildlichen Modellen sind wir allerdings immer noch nicht bei einer Erklärung dafür, dass Cherubim und Erz- engel hier gemeinsam den Rahmen der Gottesschau abstecken. Die Gründe für diese eigentümliche Bildfindung werden bei einem Blick in die Gebetstexte der Psalterhandschrift deutlicher. Schon in den Psalmen selbst erscheint Gott mehrfach über den Cherubim thronend: „Der Herr herrscht, die Völker sollen zürnen, der über den Cherubim thront – die Erde soll erschüttert werden! Der Herr in Zion ist groß und erhaben ist er über alle Völker.“ (Ps 98,1–2).40 Der Psalmist stimmt sein Gotteslob vor den Engeln an: „Ich werde mich zu dir bekennen, Herr, mit meinem ganzen Herzen, weil du die Worte meines Mundes erhört hast. Im Anblick der Engel werde ich dir Psalmen singen.“ (Ps 137,1–2).41 Noch konkretere Berüh- rungspunkte finden sich in den Gebeten, die an das biblische Buch der Psalmen angehängt sind. So verkünden die ersten Verse des Te Deum ein Gotteslob, das von „allen Engeln des Himmels und Mächten des Universums“ angestimmt wird, und 38 Zu den Gewändern von Engeln in der byzantinischen Kunst vgl. Pallas, Himmelsmäch- te (zit. Anm. 37), Sp. 26–34. Zu Loros und Sakkos vgl. Karoline Czerwenka-Papadopou- los: Loros. In: Bildwörterbuch der Kleidung und Rüstung. Vom Alten Orient bis zum ausgehenden Mittelalter, hg. von Harry Kühnel, Stuttgart 1992, S. 161–162; Karoline Czerwenka-Papadopoulos: Sakkos. In: ebd., S. 214–215. 39 Vgl. Horst Hallensleben: II. Das Marienbild der byzantinisch-ostkirchlichen Kunst nach dem Bilderstreit. In: Lexikon der christlichen Ikonographie, hg. von Engelbert Kirschbaum, Bd. 3, Rom /Freiburg i. Br. 1971, Sp. 161–178, hier: Sp. 162, 165; Wolter-von dem Knesebeck, Der Elisabethpsalter (zit. Anm. 6), S. 189–191. 40 DOMINUS Regnavit, irascantur populi qui sedes super cherubyn, moveatur terra. Dominus in syon magnus et excelsus super omnes populos. Bamberger Psalter, fol. 113r. Deutsche Übersetzung: Hieronymus: Biblia sacra Vulgata. Lateinisch-deutsch, Band 3: Psalmi – Proverbia – Ecclesiastes – Canticum canticorum – Sapientia – Iesu Sirach, hg. und über- setzt von Andreas Beriger / Widu-Wolfgang Ehlers / Michael Fieger, Berlin 2018, S. 512. 41 CONFITEBOR tibi, Domine, in toto corde meo, quoniam audisti verba oris mei. In cons- pectu angelorum psallam tibi. Bamberger Psalter, foll. 157r–157v. Deutsche Übersetzung: Hieronymus, Biblia sacra Vulgata 3 (zit. Anm. 40), S. 718.
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Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Title
Europäische Bild- und Buchkultur im 13. Jahrhundert
Author
Christine Beier
Editor
Michaela Schuller-Juckes
Publisher
Böhlau Verlag
Location
Wien
Date
2020
Language
German
License
CC BY 4.0
ISBN
978-3-205-21193-8
Size
18.5 x 27.8 cm
Pages
290
Categories
Geschichte Chroniken
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