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Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität 4
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen heute vom sechsten globalen
Massensterben von Tier- und Pflanzenarten (siehe auch Beitrag 4.4). Eine Ursache
dafür ist die Landnutzung, die in vielfacher Weise die Biodiversität beeinflusst. Sie
entfernt Arten (z.B. durch Rodung eines Waldes oder Einsatz von Pestiziden) und
bringt neue in ein Ökosystem ein (z.B. eine Ackerkultur). Die Landnutzung verändert
biogeochemische Prozesse, darunter die Nährstoff- und Wasserkreisläufe. Durch Dün-
gung werden beispielsweise nährstoffbedürftige Arten gefördert, wodurch jene mit
geringerem Nährstoffbedarf benachteiligt werden. Eingriffe in Böden und Vegetation,
z.B. durch Pflugbewirtschaftung, Mahd von Gras oder das Entfernen von Landschafts-
elementen (z.B. Streuobst) verändern das Nahrungsangebot und die Habitate für die
Reproduktion. Große Infrastruktureinrichtungen zerschneiden Lebensräume und kön-
nen die Migration von Tieren unterbinden. Über die zahlreichen Verflechtungen der
Arten etwa in Nahrungsnetzen können Eingriffe unerwartete Konsequenzen mit sich
bringen (siehe Baudron und Giller 2014). Landnutzung kann jedoch auch zur Arten-
vielfalt beitragen, weil sie neue Lebensräume schafft. Arten wandern oder passen sich
im Zuge der Evolution an die Landnutzung an. Dadurch entstanden über Jahrtausende
seminatürliche Lebensräume, etwa die extensiven Wiesen der österreichischen Kultur-
landschaft. Sie beherbergen eine Vielzahl an spezialisierten Tier- und Pflanzenarten, die
an eine offene Kulturlandschaft gebunden sind. Ohne regelmäßige Mahd würden die
Standorte verwalden und die Arten verschwinden. Eine Intensivierung, z.B. durch
Düngung und häufigere Mahd, würde die Standorte zwar offenhalten, führt in der
Regel aber auch zu geringeren Artenzahlen (vgl. Zechmeister et al. 2003; Beispiele für
artenreiche Wiesen finden sich im Biosphärenpark Wienerwald 2019; siehe auch
Beitrag 4.4).
Mit dem Verlust intakter Ökosysteme durch die Landnutzung können Leistungen ver-
loren gehen, von denen die Gesellschaft profitiert. Diese werden mit dem Konzept
der Ökosystemleistungen beschrieben. In der Landwirtschaft sind die Bestäubungs-
leistung von Insekten und die Kontrolle von Schädlingen durch natürliche Räuber
besonders relevant. Ausgewogene Landnutzungsentscheidungen berücksichtigen die
Ökosystemleistungen unterschiedlicher Landnutzungssysteme und den gesellschaft-
lichen Bedarf. Abschnitt 4.3.4 beschäftigt sich mit Mechanismen, diese ausgewoge-
nen Landnutzungsentscheidungen durchzusetzen.
4.3.4 Steuerungsmöglichkeiten der Landnutzung
Die Landnutzung resultiert aus individuellen und kollektiven Entscheidungen mit gro-
ßen Auswirkungen auf das System Erde. Den Entscheidungsprozessen liegen verschiede-
ne biophysikalische und sozioökonomische Faktoren zugrunde. Zu Ersteren zählen u.a.
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima