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4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität
gesetzt?), (2) Funktion (unterschiedliche ökologische Rollen und Prozesse, die Orga-
nismen einnehmen bzw. verursachen können) und (3) Struktur (Unterschiede, die
nicht innerhalb von Einheiten, sondern zwischen den Einheiten bestehen). Diese
drei Aspekte können auf unterschiedlichen Ebenen betrachtet werden: beispielsweise
innerhalb einer Art (Diversität der Individuen oder Genotypen) oder innerhalb von
Gesellschaften (z.B. Diversität der Arten in einer Artengruppe). Mehrere Gesellschaften
bilden wiederum ein Ökosystem, verschiedene Ökosysteme formen Großlebensräume,
sogenannte Biome. Abbildung 4.4.1 zeigt die drei Aspekte der Biodiversität in den
unterschiedlichen Ebenen.
4.4.2 Artenzahlen
Derzeit sind ca. 1,5 Mio. Arten beschrieben, d.h., sie wurden von Expertinnen
und Experten als homogene Gruppe erkannt und von anderen, ähnlichen Gruppen
abgegrenzt. Eine Art wird meist als Gruppe von Individuen definiert, die sich nur
untereinander fortpflanzen können, aber nicht mit Angehörigen anderer Gruppen
(biologisches Artkonzept). Regelmäßig werden neue Arten entdeckt, und es stellt sich
die Frage, wie viele Arten es tatsächlich gibt. Derzeit gehen wir von ca. 8 Mio. Arten
aus, davon ungefähr 1 Mio. Pflanzen und Pilze (Mora et al. 2011; Stork 2018), wovon
ca. 18% beschrieben sind. Die besser bekannten Gruppen wie Säugetiere oder Vögel
mit ca. 4.400 bzw. 10.000 Arten sind wahrscheinlich sehr genau erfasst. Andere
Artengruppen wie die Zweiflügler (Fliegen und Mücken) sind viel weniger detailliert
beschrieben. Nur wenige Expertinnen und Experten befassen sich mit den kleinen, un-
scheinbaren Arten, die sich morphologisch nur schwer einteilen lassen (Stork 2018).
Da wir die Biodiversität eines Areales meist als die dort vorkommende Anzahl der Arten
darstellen, sehen wir eine Änderung der Biodiversität meist als eine veränderte Artenzu-
sammensetzung an. Dies ist allerdings vereinfachend. Wesentliche ökologische Effekte
sind auch von der absoluten Individuenanzahl der einzelnen Arten und vom Verhält-
nis dieser Zahlen zueinander bestimmt. All diese Faktoren führen dazu, dass Systeme
mit hoher Biodiversität andere Eigenschaften haben als solche mit geringer Diversität.
4.4.3 Rückgang der Biodiversität
Biodiversität wird durch die menschliche Landnutzung maßgeblich beeinträchtigt.
Dies kann auf verschiedene Weise erfolgen: durch direkte Nutzung von Organismen
oder deren Entnahme aus der Natur, aber auch durch Beeinflussung der Lebensum-
stände von Lebewesen, beispielswiese weil der Mensch mit anderen Arten um Res-
sourcen konkurriert oder weil er deren Lebensräume in nutzbare Produktionsflächen
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Title
- Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
- Authors
- Erwin Schmid
- Tobias Pröll
- Publisher
- Springer Spektrum
- Location
- Wien
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-662-60435-9
- Size
- 17.3 x 24.6 cm
- Pages
- 288
- Keywords
- Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
- Categories
- Naturwissenschaften Umwelt und Klima