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Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
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Page - 134 - in Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung

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134 4 Ökosysteme, Landnutzung & Biodiversität Fallbeispiel 4.4.1: Populationsentwicklung der Nashörner Derzeit leben auf der Erde fünf Nashornarten (zwei in Afrika und drei in Asien). Während der ver- gangenen Eis- und Zwischeneiszeiten gab es noch einige andere Nashornarten in den gemäßigten Breiten. Diese sind allerdings mit dem Verschwinden der sogenannten eiszeitlichen Megafauna ausge- storben, eventuell unter Beteiligung des Menschen. Die heutigen Nashornarten haben eine tropische bis subtropische Verbreitung mit Ausläufern in warmgemäßigten Regionen (z.B. Nordafrika). Die Arten sind bis zu einem gewissen Grad ökologisch getrennt. In Afrika ist z.B. das Spitzmaulnashorn ein Selektierer (d.h. seine Nahrung ist arm an Pflanzenfasern, aber reich an leicht verdaulichen Nähr- stoffen), während das Breitmaulnashorn ein typischer Weidegänger ist. Nashörner wurden durch die kommerzialisierte Jagd stark dezimiert. Sie waren während des Kolo- nialismus bevorzugtes Ziel von Großwildjägern. Außerdem wird das Kollagen, aus dem das Horn besteht, als Bestandteil traditioneller Medizin sowie als Rohstoff für verschiedene Artefakte gehandelt. Dieser Handel brach auch nach der Unterschutzstellung der Arten nicht ab und wird heute durch Wilderei und einen illegalen Schwarzmarkt aufrechterhalten. Dies führte zu einer sehr starken Ab- nahme der Individuenzahlen. Besonders gut dokumentiert ist die Populationsentwicklung der afrikanischen Arten (Emslie 2012a, b). Ende des 19. Jahrhunderts war das Spitzmaulnashorn in Afrika südlich der Sahara verbreitet (mit geschätzten 1 Mio. Individuen), es wurde jedoch bis in die 1960er-Jahre auf wenige 1.000 Individuen dezimiert (Moodley et al. 2017). Die Abnahme kann nur zum Teil mit der zunehmenden Flächen- nutzung durch den Menschen erklärt werden. In vielen geschützten oder wenig genutzten Arealen wurden Nashörner ebenfalls zurückgedrängt. Heute existieren ca. 5.000 Individuen hauptsächlich in afrikanischen Nationalparks in voneinander getrennten Gebieten. Durch gezielte Management- maßnahmen wird derzeit versucht, die Population des Spitzmaulnashorns wieder zu vergrößern (Black Rhino Expansion Program). Zwischenzeitlich war ein ähnliches Programm bei der anderen afrikanischen Art, dem Breitmaul- nashorn, sehr erfolgreich. Das Breitmaulnashorn hat seinen Verbreitungsschwerpunkt im südlichen Afrika. Vor Beginn der systematischen Bejagung betrug die Populationsgröße geschätzte 300.000 Tiere. Anfang des 20. Jahrhunderts lebten nur noch wenige 100 Individuen in einigen geschützten Arealen und in privaten Farmen in Südafrika. Bis zum Jahr 2000 konnte die Population auf ca. 20.000 Individuen erhöht werden. In einem Translokationsprogramm wurden die Tiere nicht nur auf von Nashörnern besiedelte Areale verteilt, sondern auch auf Gebiete, wo die Art in historischen Zeiten vorkam, aber durch Bejagung ausgerottet wurde. Dadurch wurde eine Populationsdynamik wiederhergestellt, welche neben Wachstum auch die Prozesse der Ausbreitung und Kolonisierung umfasst. So konnte eine kontinuierliche Zunahme der Population erreicht werden. Solch ein Vorgehen ist nicht selbstverständlich. Neben der unbestrittenen Schwierigkeit, große Säugetiere in neue Gebiete einzuführen, ohne dabei Konflikte mit der lokalen Bevölkerung zu erzeugen, birgt die Translokation auch das Risiko des Transports für die Tiere. Sie müssen betäubt und teilweise unter dem Hub- schrauber hängend transportiert werden. Das Risiko, die Tiere dabei zu verletzen oder zu traumati- sieren, ist sehr groß. Eine Managementmaßnahme, die das Einfangen aller oder eines großen Teils der verbliebenen Individuen beinhaltet, birgt daher auch die Gefahr, das Aussterben zu beschleunigen. Auch können Habitate, in welche die Nashörner eingeführt werden, heute ungeeignet sein. Dies zeigen Rückschläge im Expansionsprojekt, das derzeit für Spitzmaulnashörner durchgeführt wird. Hier sind nach der Translokation einige Tiere in den neuen Gebieten verhungert. Ungeachtet solcher Rück- schläge waren bei Nashörnern Expansionsprojekte bisher sehr erfolgreich, auch wenn die Popula- tionen heute wieder sinken. Anfang des 21. Jahrhunderts stieg der Jagddruck durch Wilderei v.a. auf das Breitmaulnashorn. Angefacht durch die Nachfrage nach Horn als medizinisches Produkt in Asien werden derzeit jährlich bis zu 1.359 Tiere dieser Art getötet (im Jahr 2015), zwischen 2007
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Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
Title
Umwelt- und Bioressourcenmanagement für eine nachhaltige Zukunftsgestaltung
Authors
Erwin Schmid
Tobias Pröll
Publisher
Springer Spektrum
Location
Wien
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC 4.0
ISBN
978-3-662-60435-9
Size
17.3 x 24.6 cm
Pages
288
Keywords
Umweltmanagement, Bioressourcen, Nachhaltigkeit, Sustainability, Universität für Bodenkultur
Categories
Naturwissenschaften Umwelt und Klima
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