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Umsetzungsarchitektur einer digital-emanzipatorischen
Circular Economy
Ebenso werden mögliche Anwendungsfälle und -kon-
zepte für die jeweiligen Elemente vorgeschlagen.
Die vier inneren technisch-ökonomisch ausgeprägten
Elemente ‹Geschäftsmodelldesign›, ‹Produkt design›,
‹Kollaboration› sowie ‹Neue Technologien› werden
durch die als sozio-politisch typisierten Elemente ‹Zu-
gänglichkeit und Transparenz›, ‹Demokratisierung und
Aktivierung›, ‹Innovativität und Kreativität› sowie ‹Ge-
meinschaftlichkeit und Solidarität› komplementiert.
Die planetaren Grenzen (in der Abbildung rechts der
äußere Ring in hell blauer Farbe) bilden hierbei den ab-
soluten, nicht zu überschreitenden Rahmen für den
Einfluss des Menschen auf die Biosphäre.
DIGITALISIERUNG ÜBERNIMMT EINE WICHTIGE ROLLE
Die Digitalisierung nimmt in Diskussionen über eine
effektive praktische Umsetzung und Gestaltung der
Circular Economy eine herausragende Rolle ein. So
sollen etwa modular konstruierte Produkte integrierte
Sensoren und Trackingsysteme besitzen, die es ermög-
lichen, Informationen über den gegenwärtigen Zustand,
die Nutzungsintensität sowie die lokale Zugänglichkeit
der Objekte zu erhalten.
Einerseits können die durch Big-Data-Analysen ge-
wonnenen Daten potenzielle Ausfallmechanismen und
somit Schwachstellen im Produktdesign aufdecken, um,
darauf aufbauend, produktlebensdauerverlängernde
Maßnahmen abzuleiten sowie auf die User*innen zu-
geschnittene Serviceleistungen zu entwickeln. Anderer-
seits dokumentieren smarte, miteinander kommuni-
zierende, zirkulierende Produkte die Lebenswelt der
Nutzer*innen. Alltagsroutinen, Handlungs- und Ent-
scheidungsmuster können so offengelegt und Persön-
lichkeitsprofile analysiert werden.
Der Kerngedanke des Circular-Economy-Ansatzes be-
steht darin, das gegenwärtige lineare wirtschaftliche
Wertschöpfungsmodell (Rohstoffextraktion – Produkt-
herstellung – Nutzung – Entsorgung) der im Globalen
Norden verorteten Gesellschaften durch zirkulär aus-
gerichtete Konsum- und Produktionsformen (Reduk-
tion – Wiederverwendung – Recycling) zu ersetzen.
Angelehnt an die metaphorische Hervorhebung der
Zirkularität von Ökosystemen, sollen Produkte und
ihre Komponenten so designt und konstruiert sein,
dass sie mit geringem finanziellen und energetischen
Aufwand in die Wirtschafts- und Materialkreisläufe zu-
rückgeführt werden können.
Der Ansatz der Circular Economy wird bisher haupt-
sächlich als ein rein ökologisches Modernisierungs-
projekt der Ökonomie zur Erhöhung der Ressourcen-
effizienz thematisiert, das besonders durch technische
Innovationen charakterisiert ist. Mit dieser eher tech-
nisch zentrierten Interpretation von Innovation werden
tief greifende strukturelle Veränderungen der Wirtschaft
nicht hinterfragt. So bleibt eine kritisch-konstruktive Aus-
einandersetzung mit sozio-politischen Themen feldern
unberührt, wie zum Beispiel Veränderungen des Lebens-
stils, bestehende Machtverhältnisse sowie die Frage nach
Transparenz innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken.
SOZIAL-ÖKOLOGISCHE AUSRICHTUNG STÄRKEN
Deshalb bedarf es einer Ausrichtung des Circular-Econo-
my-Ansatzes an die umfassende Idee einer sozial-ökolo-
gischen Transformation. Die auf der Abbildung eingebet-
teten acht miteinander verflochtenen Elemente stellen
exemplarisch Anknüpfungspunkte dar, mit denen Wert-
schöpfung in einer auf Teilhabe und Lebensqualität aus-
gerichteten Circular Economy realisiert werden kann.
[ Autor*innen: Florian Hofmann, Jakob Zwiers & Melanie Jaeger-Erben
WAS IST DAS EIGENTLICH ?
CIRCULAR ECONOMY
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WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Title
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Subtitle
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Author
- Anja Höfner
- Editor
- Vivian Frick
- Publisher
- oekom verlag
- Location
- München
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 152
- Keywords
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Categories
- Informatik
- Technik