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0 8. Die Technologiebranche muss verpflichtet
werden, in Fragen der Ressourcenschonung
und Nachhaltigkeit die Prinzipien men-
schenrechtlicher und ökologischer Sorg-
faltspflichten in den Abbau- und Produk-
tionsländern konsequent anzuwenden.
«Der Deutsche Naturschutzring ist ein Dachverband
von 90 Natur-, Tier- und Umweltschutzorganisationen,
geeint durch ihre Ziele: biologische Vielfalt und natür-
liche Ressourcen zu schützen, den Klimawandel zu be-
kämpfen und für eine nachhaltige und umweltgerechte
Wirtschaftsweise einzutreten. Nicht nur Organisatio-
nen wie diese, sondern wir alle sollten uns immer wie-
der vor Augen führen: Wenn wir weiterhin sicher leben
wollen, muss der Mensch innerhalb planetarer Grenzen
wirtschaften. In den Bereichen Klimawandel, Stick-
stoffkreislauf und Biodiversitätsverlust gehen Wissen-
schaftler*innen davon aus, dass die planetaren Gren-
zen bereits überschritten sind. In anderen Bereichen ist
die Lage kritisch. Natürlich bieten digitale Technolo-
gien viele Möglichkeiten für Klima- und Umweltschutz.
Doch wir stellen als Umweltschützer*innen auch immer
die Frage nach der Verantwortung im Prozess der Di-
gitalisierung – und diese richtet sich ganz klar auch
an die Wirtschaft. Daher muss die Technologiebranche
verpflichtet werden, Menschenrechte und ökologische
Standards in den Abbau- und Produktionsländern kon-
sequent umzusetzen.»
Maria Bossmann
für den Deutschen Naturschutzring e.
V. (DNR)
IT-SICHERHEIT
9. Mangelhafte Software hat negative Folgen
für deren Nutzer*innen, die Sicherheit
ihrer Daten und die digitale Infrastruk-
tur insgesamt. Es bedarf einer Software-
haftung, damit Softwarehersteller die
Verantwortung für die entstehenden Risi-
ken (zum Beispiel Sicherheitslücken) tra-
gen, statt die Qualität ihrer Software
dem Profit zu unterwerfen. IT-Sicherheit
ist die Grundlage einer nachhaltigen di-
gitalen Gesellschaft. «Der Chaos Computer Club ist eine Hackervereinigung,
und zwar die größte Europas, wir blicken also mit einer
gewissen technischen Brille auf dieses Thema – und ich
habe eine schlechte Nachricht: Für alle diese Vorhaben,
über
die
wir
hier
die
zwei
Tage
gesprochen
haben,
ist
die
IT-Sicherheit eine unabdingbare Grundlage. Wenn man
allerdings die IT-Sicherheit heute in ihrem Ist-Zustand
betrachtet – wir können die Metapher ziehen zu einem
Boot, in dem wir alle sitzen –, dann ist die Grundlage
dafür ziemlich löchrig. Wir stehen vor einer sehr langen
und auch mit kurzfristigen Mitteln sehr schwer abzu-
wendenden IT-Vertrauenskrise, mit der wir einerseits
als Privatpersonen umgehen müssen, weil unsere Ge-
räte und unsere Smartphones und unser Bürocomputer
betroffen sind, mit der wir aber andererseits auch im
Großen als Gesellschaft und Wirtschaftsunternehmen
umgehen können. Ähnlich wie bei Ursachen für man-
che anderen Phänomene und deren Lösungen, so ist
es auch in der IT-Sicherheit so, dass Hacks nicht pas-
sieren, sondern in der Regel gibt es dafür ökonomische
An
triebe – die meisten großen Angriffe auf IT-Systeme
sind heute bezahlt, und zwar mit staatlichen Geldern.
Es ist keine Naturkatastrophe oder schicksalhaft, wenn
wir vor einer IT-Sicherheitskrise stehen und wenn die
Systeme, die Software, die Browser, die Betriebssysteme,
mit denen wir umgehen, voller Löcher sind. Sondern es
ist eine ökonomisch incentivierte Realität, die wir so
nicht lassen können.
Wir haben in Deutschland anders als in vielen anderen
Ländern ein großes Privileg: Das Privileg lautet, dass
wir ein Grundrecht in Deutschland haben, seit mehr als
zehn Jahren, eines, das die IT-Sicherheit umfasst und
auf
dem
wir
vor
allen
Dingen
auch
gegenüber
dem
Staat
bestehen müssen: Es ist das Grundrecht auf Gewähr-
leistung der Vertraulichkeit und Integrität von informa-
tionstechnischen Systemen. Ich glaube, viele Vorhaben,
die
uns
Chancen
in
der
Digitalisierung
bringen,
sind
nur
möglich
auf
einer
sicheren
Grundlage
und
ohne
dass
wir
das Regime fortführen, das wir heute haben, wo jeder,
der das Geld hat, insbesondere staatliche Entitäten
und auch Geheimdienste, in einem weitgehend rechts-
freien Raum hacken, wie sie Lust haben. Das Thema
IT-Sicherheit
ist
für
jetzt
und
für
die
nahe
Zukunft
ganz
sicher
lich eine Grundlage, mit wir uns weiter beschäfti-
gen müssen.»
Constanze Kurz für den Chaos Computer Club e. V.
(CCC)
WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Title
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Subtitle
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Author
- Anja Höfner
- Editor
- Vivian Frick
- Publisher
- oekom verlag
- Location
- München
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 152
- Keywords
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Categories
- Informatik
- Technik