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10. Software muss selbstbestimmt nutzbar
sowie reparierbar sein und langfristig
instand gehalten werden können, so wie
es Open-Source-Software bereits verwirk-
licht. Hersteller müssen daher beispiels-
weise Sicherheits
updates für die Hard-
warelebensdauer von Geräten bereitstellen
und nach Ende des Supports den Quellcode
als Open-Source-Variante freigeben, statt
‹Softwarelocks› einzubauen.
11. Elektronische Geräte müssen reparierbar
und recycelbar sein – geplante Obsoles-
zenz darf es nicht geben. Dafür müssen Ga-
rantiefristen massiv ausgeweitet werden;
Hersteller müssen Ersatzteile, Repara-
turwerkzeug und Knowhow für alle anbie-
ten und langfristig vorhalten. Dies soll
unterstützt werden durch eine stärkere
finanzielle Förderung offener Werkstät-
ten bzw. Repaircafés und gemeinwohlori-
entierter Forschung und Produktentwick-
lung. Öffentliches Forschungsgeld darf
es nur für Open-Source-Produkte geben.
«‹Langlebigkeit› ist ein Begriff, der in der Bäume-Bewe-
gung natürlich total wichtig ist. Langlebigkeit bedeutet
in
Bezug
auf
Technologien,
dass
ich
ein
Produkt
reparie-
ren kann, dass es ausgelegt ist auf eine lange Instand-
haltung und dass ich das selbstbestimmt nutzen kann.
Ich
habe
neulich
einen
kleinen
Unfall
gehabt
mit
meinem
Smartphone: Es ist mir beim Radeln auf die Straße ge-
fallen und wurde von einem LKW überfahren. Das Ge-
rät hat überlebt – und es ist trotzdem nicht langlebig,
weil es die nächsten Sicherheitsupdates wahrschein-
lich nicht überleben wird und weil das Betriebssystem bald veraltet ist. Langlebig würde es werden, wenn es
ein Open-Source-Produkt wäre, wenn es Open-Source-
Software hätte und wenn es ein Gerät wäre, das man
Open-Source-Hardware nennen dürfte. Open Source
bedeutet, dass ich den Quellcode offenlege, dass ich
ihn kopieren und nutzen kann, dass die Software, die
darauf ist, wiederverwendbar, verbreitbar und ver-
änderbar ist, sodass ich meine Software selbstständig
reparieren oder mithilfe von anderen reparieren lassen
kann. Es bedeutet, dass, wenn nicht regelmäßig Sicher-
heitsupdates von den Unternehmen selbst eingespielt
werden,
sie
dann
aus
der
Community
eingespielt
werden
können.
Open
Hardware
bedeutet:
Die
Geräte
sollen
mit
Open Software ausgestattet sein, und es muss Ersatz-
teile geben. Wir wollen sie reparieren können, und zwar
selbstständig, sodass sie langfristig nutzbar sind. Das
ist derzeit nicht der Stand, und darum wollen wir, dass
Open Hardware und Open Software staatlich gefördert
und unterstützt werden, dass es Repaircafés gibt, dass
es Forschung dazu gibt, dass diese Geräte nicht nur
LKW-Unfälle überleben, sondern eben auch unseren all-
täglichen Gebrauch – dass sie langlebig sind.»
Nadine Evers für die Open Knowledge Foundation
Deutschland e.
V. (OKF)
Nachzulesen sind diese elf gemeinsamen Forderungen
auf unserer Webseite bits-und-baeume.org, unter-
schrieben von zahlreichen weiteren Unterstützerinnen
und Unterstützern, denn gemäß unserem eigenen
Credo wollen wir sie teilen und verbreiten. Wir wollen
immer größere Bündnisse bilden und wollen so als
starke Zivilgesellschaft aufklären, wir wollen moti-
vieren, und wir wollen zeigen, wie eine digitale Ge-
sellschaft demokratisch und gerecht gestaltet und
zugleich darauf ausgerichtet sein kann, auf friedvolle
Weise das Leben und seine lang fristigen Grundlagen
auf diesem Planeten zu bewahren.
Gemeinsam können wir diesen Weg gehen.
Gemeinsam müssen wir ihn gehen.
DIE AUTORINNEN
/// Juliane Krüger arbeitet bei der OKF als Referentin der Geschäftsführung. Sie spricht, schleift und setzt zudem Texte, oft an der Schnittstelle
Technik und Gesellschaft. Als Kulturwissenschaftlerin ist sie nicht nur beim FIfF ehrenamtlich aktiv, sondern auch Teil des BücherFrauen-
Netzwerks.
/// Nina Treu ist Mitbegründerin des Konzeptwerk Neue Ökonomie und war Team- und Programmkoordinatorin bei der 4. Internationalen
Degrowth-Konferenz. Aktuell kümmert sie sich v. a. um Akquise und interne Koordination im Konzeptwerk und ist Teil der Webredaktion von
www.degrowth.de
LANGLEBIGKEIT VON SOFTWARE
UND HARDWARE
WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Title
- WAS BITS UND BÄUME VERBINDET
- Subtitle
- Digitalisierung nachhaltig gestalten
- Author
- Anja Höfner
- Editor
- Vivian Frick
- Publisher
- oekom verlag
- Location
- München
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-SA 3.0
- ISBN
- 978-3-96238-149-3
- Size
- 21.0 x 29.7 cm
- Pages
- 152
- Keywords
- Digitalisierung, Entwicklungszusammenarbeit, Politik, Ressourceneffizienz, Nachhaltigkeitskommunikation
- Categories
- Informatik
- Technik