Page - 196 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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106 R. V. AVettstein.
der systematischen Botanik, der sich besonders auch in Oesterreich geltend
machte. Es ist nicht ohne Interesse, den Ursachen und dem Verlaufe dieser
Erscheinung- nachzugehen; beides zeigt sich klar, wenn wir die Wirkungen
der erwähnten glänzenden Werke und die Stellungnahme der Forscher zu den
neu auftauchenden Disciplinen in der ersten Hälfte des hier behandelten
Zeitraumes in Betracht ziehen.
Endlichers „Genera plantarum", die für alle Zeiten ein Monument
seiner umfassenden Forscherthätigkeit und seines Geistes bleiben werden, er-
schienen kurz vor Anbruch der hier ins Auge gefassten Epoche (beendet
1850). Die Durchführung dieses Werkes setzte volle Vertrautheit mit den
grossen Gruppen des Pflanzenreiches und ihren Beziehungen zu einander vor-
aus, sie verlangte die Beschäftigung mit zahlreichen, den verschiedensten
Florengebieten angehörigen Typen. Die Ergebnisse einer grossen Reihe
glänzender Reiseunternehmungen, welche gerade am Beginne des lü. Jahr-
hunderts von Oesterreich ausgiengen, begünstigten diese Beschäftigung.
Nach Endlichers frühem Tode (20. März 1849) wirkte noch eine Zeit-
lang sein geistiger Einfluss nach, insbesondere bei den Arbeiten der Männer,
welche unter jenem Einflüsse ihre Entwicklung nahmen. Dazu gehörte in
erster Linie Ed. FenzD) (geb. am 15. Februar 1808 zu Krummnussbaum in
Niederösterreich, gest. am 27. September 1879 in Wien), welcher nach End-
lichers Tode (1849) dessen Lehrkanzel an der Wiener Universität übernahm
und dieselbe neben der Direction des botanischen Hofcabinets bis 1878 inne-
hatte. Fenzl arbeitete anfangs ganz in dem Sinne Endlichers, an dessen
„Genera plantarum" er ja auch durch Bearbeitung einiger Familien betheiligt
war. Allmählich entfernte er sich aber von dieser Arbeitsrichtung, und schon
bei seinen Schülern, so bei J. Peyritsch und H.W. Reichardt, konnte man
nur mehr wenig von der alten systematischen Ueberlieferung gewahren. Für
das Erlöschen der von Endlicher, den beiden Jacquins und anderen syste-
matischen Grössen im Beginne des Jahrhunderts gepflegten Richtung ist wohl
nichts charakteristischer als der Umstand, dass das grossartige, systematische
Ergebnisse von grösster Tragweite versprechende botanische Material, welches
die „Novara"-Expedition in den Sechzigerjahren lieferte, im allgemeinen keine
Bearbeiter fand. Endlicher'scher Einfluss ist auch noch in den Arbeiten
anderer seiner Freunde und Schüler zu spüren. Zu diesen zählt H. W. Schott
(geb. Januar 1794 zu Brunn, gest. 5. März 1865 in Wien),^) welcher 1832
gemeinsam mit Endlicher die „Meletemata botauica", später aber eine ganze
Reihe wichtiger systematischer Werke allein herausgab, so insbesondere seine
die Familie der Aroideen betreifenden Arbeiten.^) Hieher zählt ferner der
als Reisender und Pflanzengeograph hervorragende Theodor Kotschy (geb.
15. April 1813 zu Ostrau, gest. 11. Juni 1866 zu Wien)^) und insbesondere
1) Biographien:OeBZ. 1862, S. Iff.—Haynald, Deukrecle in derGesammtsitzuug derungar.
Akademie 1884.— H.W. Reichardt, ZBG.XXX. und Almanach der kais.Akad. d.Wiss. 1880 u. a.
2) "Vgl. Fenzl, H.W. Schott, Lebensskizze. 1865. Feierl. Sitzung d. Akad. d. Wiss. —
OeBZ. 1865, S. 162.
3) Aroideae Fase. 1. 1853, Fase. II. 1855.— Genera Aroidearnra. 1858.— Synopsis Aroidea-
rum. 1856.— Prodromus systematis Aroidearum. 1860.
4) Vgl. E. Fenzl in Almanach der Wiener Akad. XVI., 1867. — Th. Kotschy, Die
Eichen Europas (Wien 1862).
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie