Page - 212 - in Botanik und Zoologie in Österreich - In den Jahren 1850 bis 1900
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212 K. V. Wettsteiu.
Weitestgehende Klarstellung des phylogenetischen Zusammenhanges
strebte auch der Verfasser dieser Zeilen bei einer Reihe monographischer
Bearbeitungen^) an; er gieng hiebei, vielleicht mit Erfolg, auch in der Ver-
wertung pflanzengeographischer Thatsachen weiter, als es sonst üblich ist, und
gelangte dabei zur Durchbildung einer Methode der phylogenetisch-systemati-
schen Forschung, die er in einer Schrift eingehender begründete.^)
Die gleiche Verwertung des pflanzengeographischen Momentes tritt mehr
oder minder in einer Reihe monographischer Studien der letzten Zeit hervor,
so in jenen von K. Fritsch (geb. 1864 in Wien) über Orohus,^) A. Ginz-
berger über Lathynis,'^) F. Vierhapper über Dianthus^) und Doronicum,^)
J. Witasek über Callianthemum ,'^) J. v. Sterneck über Äledorolophus,^)
K. V. Keissler iiher Daphne,^) J.Hoffmann über Odontites,^'^) A. Jakowatz
über Gentianen^^) u. a.
Der wissenschaftliche Wert dieser Arbeiten ist naturgemäss ein nicht
ganz gleicher; sie bezeichnen aber zweifellos eine wertvolle Richtung der
systematischen Botanik. Charakterisieren sie doch das Streben, in induc-
tiver Weise zunächst bei kleinen Formenkreisen zu einer natürlichen Gestal-
tung des Systems, zu einer Klärung der descendenztheoretischeu Anschauungen
überhaupt zu gelangen.
Nicht unerwähnt sollen schliesslich einzelne Versuche bleiben, der Be-
antwortung der Frage nach der Abstammung des Pflanzenreiches in seiner
Gesammtheit näherzutreten. Es ist eine mehrfach schon erörterte Frage, ob
die Entwicklung des Pflanzenreiches eine einheitliche, monophyletische oder
eine polyphyletische war. Mehr unbewusst als mit bestimmten Gründen
wurde diese Frage zumeist im ersteren Sinne beantwortet, und die älteren
„natürlichen" Pflanzensysteme sind wohl durchwegs monophyletische. Ein
extremer Vertreter der entgegengesetzten Meinung war A. v. Kerner, der in
seinem „Pflanzenleben" Pflanzenstämme unterschied und ausdrücklich betonte,
dass er diese als Entwicklungsreihen ansehe, zwischen denen ein phylogene-
tischer Zusammenhang nicht nachweisbar ist. Diese Annahme Kerners war
eine Consequenz seiner systematischen Anschauung überhaupt. Geradeso, wie
er es für eine Forderung inductiver Forschung ansah, die zur Beobachtung
gelangenden Arten objectiv als solche festzustellen, geradeso musste er es
für nöthig halten, die nachweisbaren grossen Gruppen des Pflanzenreiches
1) E. V. Wettsteiu, Monographie der Gattung Eu-plirasia. 1896. Die europäischen Arten
der Gattxnig Gentiana, Sect. Emlotricha (DWA. 1897). Die nordamerikauischen Arten der Gattung
Oentiana, Sect. Endotriclia (OeBZ. 1900) u. a.
2)Grundzügedergeographisch-morphologischenMethode der Pflanzensysteniatik (Jena 1898).
3) Ueher einige Oj-oäms-Arten und ihre geographische Verbreitung (SWA. CIV, 1895).
4) Ueber einige Lathynis-Avten der Sect. Eulathyi-u.s und ihre geographische Verbreitung
(a. a. 0. CV).
5) Zur Systematik und geographischen Verbreitung einer alpinen DtOTii/t?« -Gruppe
(a. a. 0. CVIIV
ö) Arnica Doronicuvi und ihre nächsten Verwandten (OeBZ. 1900).
7) Die Arten der Gattung CalUanthevium (ZBG. XLIV).
«) Beitrag zur Kenntnis der Gattung Alectorolopluis (OeBZ. XLV).
0) Die Arten der Gattung Baphne aus der Sect. Daphnanthes (Englers Jahrb. XXV).
10) Beitrag zur Kenntnis der Gattung Odontites (OeBZ. XLVII).
11) Die Arten der Gattung Gentiana, Sect. Thylacites und ihr entwickluugsgeschichtlicher
Zusammenhang (SWA. CVIII).
Botanik und Zoologie in Österreich
In den Jahren 1850 bis 1900
- Title
- Botanik und Zoologie in Österreich
- Subtitle
- In den Jahren 1850 bis 1900
- Author
- Alfred Hölder
- Editor
- K. K. ZOOLOGISCH-BOTANISCHEN GESELLSCHAFT
- Location
- Wien
- Date
- 1901
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 14.3 x 24.0 cm
- Pages
- 716
- Categories
- Naturwissenschaften Biologie