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Dogmatische Betrachtung des Computerstrafrechts im engen Sinn
Christian Bergauer • Das materielle Computerstrafrecht ¶
grammdatei ( sog » Infector « 1203 ). Es gibt aber auch Varianten, die le-
diglich Sprungbefehle in Programmdateien implementieren, ohne
eine Kopie des Virencodes in die konkrete Datei zu migrieren. Dabei
referenziert dieser Sprungbefehl bloĂź auf den Viruscode einer bereits
infizierten Datei. Der Befehlszähler ( sog » Instruction Pointer « ) wird
während des Programmlaufs dadurch veranlasst, den Code der verwie-
senen Speicheradressierung auszufĂĽhren.1204
Der Payload ( Nutzlast ) ist der Aktionscode eines Computervirus,
der die eigentliche schädigende Funktionalität enthält. Ein solcher ist
jedoch nicht zwingend notwendig, sodass oft schon die Infektion bzw
ein Mehrfachbefall ausreicht, damit ein Programm nicht mehr bestim-
mungsgemäß ausgeführt werden kann.1205
Der Trigger ( Auslöser ) bestimmt, wann der Payload ausgeführt wer-
den soll, sofern ein solcher vom Virenautor ĂĽberhaupt definiert wurde.
Dabei kann ein bestimmtes Datum oder ein anderes Kriterium vorde-
finiert werden, an dem sich der Payload aktivieren soll, zB wenn die
Festplatte zu mehr als die Hälfte ausgelastet ist usw. Auch der Trigger
ist optional und muss in einem solchen Schadprogramm nicht unbe-
dingt vorhanden sein.1206
Computerviren werden nach unterschiedlichen Kriterien klassifi-
ziert und kategorisiert 1207:
a. Bootsektorviren
Auf jedem formatierten Datenträger befindet sich grundsätzlich ein
Bootsektor bzw Master Boot Record ( MBR ), der im ersten physischen
bzw logischen Sektor des Datenträgers angesiedelt sein kann. Beim
Bootvorgang eines Computersystems wird nach dem Selbsttest der
Stromversorgung und dem Abarbeiten des BIOS 1208-Codes der Boot-
eintrag der Partition im ersten Sektor des ersten Bootlaufwerks als
1203 Vgl Solomon, Computer Security, 81.
1204 Siehe Harley / Slade / Gattiker, Anti-Viren-Buch, 130 f.
1205 Siehe Solomon, Computer Security, 73 ff.
1206 Vgl Harley / Slade / Gattiker, Anti-Viren-Buch, 37 bzw 130 f; weiters Solomon, Compu-
ter Security, 81.
1207 Siehe nachfolgend eine Typenauswahl.
1208 Das » Basic Input / Output System « ist ein Programm, das in einem Festspeicher
( ROM- bzw Flash-Speicher ) auf der Hauptplatine ( Mainboard ) gespeichert ist. Es
initialisiert die im System installierte Hardware und startet das eigentliche Be-
triebssystem ( vgl etwa Gumm / Sommer, Informatik 10, 61 f ).
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Das materielle Computerstrafrecht
- Title
- Das materielle Computerstrafrecht
- Author
- Christian Bergauer
- Publisher
- Jan Sramek Verlag
- Location
- Wien
- Date
- 2016
- Language
- German
- License
- CC BY-NC 4.0
- ISBN
- 978-3-7097-0043-3
- Size
- 15.0 x 23.0 cm
- Pages
- 700
- Keywords
- Cybercrime, substantive criminal law, malicious software, denial of service-attacks, hacking, Cyber-bullying, Computerkriminalität, Computerstrafrecht, Malware, Datenbeschädigung, Systemschädigungen, Hacking, Cyber-Mobbing
- Categories
- Informatik
- Recht und Politik