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Die Corona-Pandemie - Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
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gen Maßstab humanen Handelns erhoben. Allein die Orientierung an der allgemeinen Wohlfahrt scheint die Gesellschaft als eine humane zu qualifizieren.33 „Was bleibt, ist hier das ‚Naturwesen‘ Mensch, die ‚von allen höheren KrĂ€f- ten und Werten abgelöste Menschengattung‘.“34 Was verbindet das „Na- turwesen Mensch“ zu einer kulturellen und humanen Gemeinschaft? Wo- von kann ein Staat, bestehend aus einer bloßen Ansammlung von bio- psycho-sozialen Individuen, Ă€hnlich einer Nutztierhaltung, getragen sein? Wie kann ein gesellschaftlicher Zusammenhalt begrĂŒndet werden, wenn es kein ideelles gemeinsames Band unter den Menschen gibt, keine von Gott legitimierte Herrschaft, keine Bindung an einen gemeinsamen Glau- ben, keine verbindende wesenhafte Natur des Menschen? Auf welcher Grundlage sollten sich Individuen, welche jeweils nur am eigenen Wohl- befinden (oder jenem ihrer Sippe) orientiert sind, zu einer sozialen Ge- meinschaft mit gegenseitigen Verpflichtungen und gesetzlich erzwungener SolidaritĂ€t als „öffentlichem Gut“35 zusammenschließen? Das ist das Grundproblem aller modernen (und d.  h. naturalistischen) Gesellschafts- theorien, die eine Antwort nur auf Basis natĂŒrlicher Gegebenheiten zu fin- den imstande sind, da der Naturalismus, d.  h. das Beherrschungswissen im Sinne der Wissensformen Max Schelers,36 der einzig verfĂŒgbare epistemo- logische Rahmen ist. FĂŒr die Frage nach der Legitimation gibt es im Rahmen der modernen Wissensform und naturalistischen staatlichen Ordnung nur zwei mögliche Wirklichkeitsbereiche, die den Anspruch (oder den Anschein) des Absolu- ten aufweisen und damit gesellschaftlich die Voraussetzung der formalen „UnverfĂŒgbarstellung“37 (als Surrogat fĂŒr Transzendenz) beanspruchen können: a) das Kollektive bzw. Soziale (z.  B. kontraktualistisch, ĂŒber den Vertrag konstituiert) und b) die Natur (ĂŒber die „NaturalitĂ€t der Mechanismen“38 wie jener des Wettbewerbs auf MĂ€rkten). 33 Delikostantis, Humanitarismus, 7. 34 Max Scheler, zit. n. Delikostantis, Humanitarismus, 51. 35 Vgl. Baurmann, SolidaritĂ€t. 36 Scheler, Wissensformen, 203f. 37 Vgl. VorlĂ€nder, Transzendenz. 38 Foucault, Sicherheit, 501. Willibald J. Stronegger 222 https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08 Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Title
Die Corona-Pandemie
Subtitle
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
Authors
Wolfgang Kröll
Johann Platzer
Hans-Walter Ruckenbauer
Editor
Walter Schaupp
Publisher
Nomos Verlagsgesellschaft
Location
Baden-Baden
Date
2020
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-7489-1058-9
Size
15.3 x 22.7 cm
Pages
448
Keywords
Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂŒrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
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