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Rahmen (framework) gebende sowie eine die spezifische Form von gouver-
nance beschreibende. Auch Jung (1950/1958) wählt eine explizit pastorale
Terminologie, um die vier Stufen der psychoanalytischen Behandlung zu-
sammenzufassen,
[…] nämlich Bekenntnis, Aufklärung, Erziehung und Verwandlung. […]
Der Uranfang aller analytischen seelischen Behandlung liegt im Vor-
bild des Beichtbekenntnisses. Da dieser Ursprung aber keine ursächli-
che Verbindung, sondern ein irrationaler, psychischer Wurzelzusam-
menhang ist, so ist es dem Fernstehenden nicht ohne weiteres mög-
lich, die Grundlagen der Psychoanalyse mit der religiösen Institution
der Beichte in Zusammenhang zu bringen (§§122f.).
Auch das Gespräch mit dem Patienten in der Pflegesituation hat eine „pas-
torale“ Dimension. Allerdings erfordert der Umgang mit intimen Informa-
tionen und der Scham auf beiden Seiten (patienten- und pflegeseitig) Takt
und Schutz vor Missbrauch durch Grenzverletzung (Martin 2010). Die
Scham-Angst dĂĽrfte ein wesentlicher Hinderungsgrund sein, welcher dem
proaktiven Ansprechen spiritueller BedĂĽrfnisse entgegensteht (Frick 2019).
Das ermöglichte und ausgeschlossene Subjekt
Foucaults Subjekt-Begriff ist doppeldeutig (Schutijser 2019): Das Individuum
wird subjektiviert (assujettissement), in dem es sich dem Wissen und der Macht
unterwirft und durch sich selbst zum Subjekt wird (subjectivation). So zeigen
schon seine frĂĽhen Psychiatrie-Studien, dass das Hospital ausschlieĂźt/isoliert und
der Krankheit Raum, Gastfreundschaft (Hospitalität) bietet. Ähnliches gilt für
die späteren Studien zur Sexualität, zur biopolitischen Sicherung des Lebens und
zu den Selbst-Techniken.
Von Foucault lässt sich lernen, den Subjektbegriff nicht romantisierend
oder substanzialistisch zu verwenden, sondern im Sinne einer Subjektwer-
dung, die je neu zu erarbeiten und ständig gefährdet ist. Diese Gefahr be-
steht im Ausschluss des Subjekts aus dem Diskurs, hier aus dem bio-
medizinischen und biopolitischen Diskurs durch äußere Kontrolle (z.  B.
Verbote), durch innere Kontrolle (z.  B. Beschränkung der Gegenstände
oder Methoden innerhalb einer Disziplin) sowie durch Verknappung und
Zulassungsbeschränkung der Diskursberechtigten (Foucault 1972/1991).
Wenn das Subjekt der ursprĂĽngliche und erste Ort ist, wo positiver
Sinn erfahren, Schmerz gespĂĽrt und Entfremdung erlebt wird, und
5.
Eckhard Frick SJ
334
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂĽrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik