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wenn diesen Erfahrungen eine eigene AutoritÀt zukommt, dann ver-
bindet sich damit das Problem einer ausgegrenzten, exkludierten Sub-
jektivitÀt. Was ist darunter zu verstehen? Wir werden gemeinsam nicht
nur dadurch zum Subjekt des medizinisch-technischen Fortschritts,
dass der entsprechende Aneignungsprozess eine bestimmte QualitÀt
hat, sondern auch dadurch, dass wirklich alle subjektive Erfahrung fĂŒr
das öffentliche Bewusstsein und die öffentliche Auseinandersetzung
verfĂŒgbar gemacht wird, sodass nicht einige Erfahrungsaspekte mit
Fortschritt ausgeblendet werden (Schaupp 2016, 22f.).
Die erfolgreiche BekÀmpfung der Infektionskrankheiten (seit der zweiten
HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts) wurde dadurch erkauft, dass der kranke
Mensch als Subjekt aus dem medizinischen Diskurs ausgeschlossen, in ein
Objekt der Medizin, genauer gesagt in den potenziellen Vektor eines Erre-
gers, transformiert wurde. Die gegenwĂ€rtige Corona-Krise knĂŒpft an die-
sen Reduktionismus an, der in der Mikrobiologie und Infektiologie metho-
disch legitim und notwendig ist. Problematisch werden Ausschluss und Re-
duktion, wenn sie Teil einer Anthropologie und einer medizinischen Ontolo-
gie werden, die in Praxis und Lehre umgesetzt wird.
Wenn der Arzt seinerseits nicht mehr als Subjekt handelt, sondern als
Agent des herrschenden exkludierenden Diskurses, kommt es zu einem
âdoppelten Ausschlussâ des Subjektes (Lebrun 2017). Auf diesen doppel-
ten Ausschluss der SubjektivitÀt von Arzt und Patient bezieht sich Viktor
von WeizsĂ€ckers âEinfĂŒhrung des Subjektesâ:
Sodann hat die EinfĂŒhrung des Subjektes nicht etwa die Bedeutung,
daĂ die ObjektivitĂ€t damit eingeschrĂ€nkt wĂŒrde. Es handelt sich weder
um SubjektivitÀt allein noch um ObjektivitÀt allein, sondern um die
Verbindung beider. Eben darum ist nun hier doch eine VerÀnderung
des Wissenschaftsbegriffes zu bemerken. Wissenschaft gilt nÀmlich
hier nicht als âobjektive Erkenntnisâ schlechthin, sondern Wissenschaft
gilt als eine redliche Art des Umganges von Subjekten mit Objekten. Die
Begegnung, der Umgang ist also zum Kernbegriff der Wissenschaft er-
hobenâ (WeizsĂ€cker 1933/1997, 96).
Trauer eröffnet neue Chancen fĂŒr Spiritual Care
Die durch staatliche und medizinische Institutionen angeordneten Restriktionen
im Rahmen der Corona-Krise haben zahlreiche persönliche und gesellschaftliche
Verluste zur Folge, was Wirtschaft, Bewegungs-, Religions- und Versammlungs-
freiheit usw. angeht. Dies gilt in besonderer Weise fĂŒr die ganz Jungen (Lock-
6. VerÀndert Covid-19 unsere Konzeption von Spiritual Care?
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https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂŒrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik