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nen sich die bösartigen Viren der Angst, des Hasses, des Populismus und
des Nationalismus verbreiten, zu immunisierenâ hilft. Hier lĂ€sst sich er-
gÀnzen, dass es speziell von der Pandemie-Situation her betrachtet noch
genauer zu analysieren gilt, welche Gesellschaften mit dieser Bedrohung
wie zurechtkommen und was das mit ihrem jeweiligen politischen System
u. Ă. zu tun hat; erst dann lieĂe sich wohl genauer darĂŒber nachdenken,
welche Rolle Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften in diesen Zusammen-
hĂ€ngen spielen mĂŒssten. Und schlieĂlich: Die Kirche soll gemÀà diesem
Bild Rekonvaleszenz ermöglichen, indem sie anstrebt, âdurch die Verge-
bung die Traumata der Vergangenheit aufzulösenâ8. Auch hier bleibt
HalĂk eher allgemein. Vielleicht lieĂe sich dieser Gedanke speziell von der
aktuellen Situation her so konkretisieren, dass es auf Dauer notwendig sein
wird, Menschen mit ihren vielfÀltigen belastenden und mit existentiellen
Nöten verbundenen Erfahrungen sowie bei der Aufarbeitung von Verant-
wortung intensiv zu begleiten.
Im Weiteren konkretisiert HalĂk die Aufgabe, diagnostisch tĂ€tig zu wer-
den, so, dass er die leeren und geschlossenen KirchengebĂ€ude als âZeichen
Gottes und eine[n] Aufrufâ identifiziert: Dieses Zeichen rufe zur geistigen
Unterscheidung auf, die wiederum âeine kontemplative Distanz zu unse-
ren erregten Emotionen und Vorurteilen, zu den Projektionen unserer
Ăngste und WĂŒnsche voraus[setzt]â9. Eine solche Herangehensweise ent-
larvt fĂŒr HalĂk zuallererst diejenigen, die die Angst der Menschen ausnut-
zen, um ihr Bild von einem rachsĂŒchtigen Gott zu propagieren. Aus der
biblisch begrĂŒndeten SpiritualitĂ€t heraus hingegen zeige sich in dieser wie
in allen Zeiten je spezifisch Gott als eine âKraftquelle [âŠ], die in denen
wirkt, die in solchen Situationen eine solidarische und aufopfernde Liebe
erweisen â ja auch in denen, die dazu keine âreligiöse Motivationâ haben.
Gott ist eine demĂŒtige und diskrete Liebe.â10 Aus diesen Formulierungen
lÀsst sich meines Erachtens der Auftrag als dringlich einstufen, aufgrund
der Pandemie nochmals verstĂ€rkt Auseinandersetzungen ĂŒber Gottesbilder
und deren Handlungsrelevanz zu fĂŒhren. HalĂk selbst stellt aus einem tie-
fen sentire cum ecclesia11 heraus dann noch die Frage in den Raum, ob die
jetzt erzwungenermaĂen leeren, teilweise geschlossenen Kirchen nicht
âeinen warnenden Blick durch das Fernrohr in eine verhĂ€ltnismĂ€Ăig nahe
Zukunftâ12 darstellen, eine Zukunft, in der gottesdienstliche Versamm-
8 HalĂk, Christentum.
9 HalĂk, Christentum.
10 HalĂk, Christentum.
11 Siehe dazu auch Kehl, Mit der Kirche fĂŒhlen.
12 HalĂk, Christentum.
Stephan Winter
372
https://doi.org/10.5771/9783748910589, am 02.10.2020, 10:33:08
Open Access - - https://www.nomos-elibrary.de/agb
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Die Corona-Pandemie
Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Title
- Die Corona-Pandemie
- Subtitle
- Ethische, gesellschaftliche und theologische Reflexionen einer Krise
- Authors
- Wolfgang Kröll
- Johann Platzer
- Hans-Walter Ruckenbauer
- Editor
- Walter Schaupp
- Publisher
- Nomos Verlagsgesellschaft
- Location
- Baden-Baden
- Date
- 2020
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7489-1058-9
- Size
- 15.3 x 22.7 cm
- Pages
- 448
- Keywords
- Philosophie, Theologie, Gesellschaft, Gesundheitssystem, Biopolitik, MenschenwĂŒrde, Bioethik, Intensivmedizin, Gesundheitsethik, Covid-19, Triage, Ethik, Strafrecht und Grundrechte, Krankenhausseelsorge, Spiritual Care, Pflegeheim, Social Distancing
- Categories
- Coronavirus
- Medizin
- Recht und Politik